11-07-2017

Gute Stimmung - aber Nachfolger fehlen

Bester Stimmung empfing Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld, die Mitglieder der Vollversammlung und die Gäste auf dem Sommerfest im Campus Handwerk
(v.l.) Michael Heesing, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL, Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer, und Dr. Maribel Illig, Geschäftsführerin der Handwerkskammer, stoßen mit Thomas Niehoff, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld beim Sommerfest an.

„Die Handwerkskonjunktur in Ostwestfalen-Lippe läuft weiter auf Hochtouren“, freute sich die Präsidentin. Der Investitionsklima-Index ist mit 87,4 Punkten auf den höchsten Wert seit 1991 gestiegen und das Beschäftigungsklima mit 93,5 Punkten sogar auf den höchsten Wert seit Beginn der regelmäßigen Konjunkturberichte im Jahr 1976. Die Betriebsinhaberinnen und -inhaber blickten größtenteils optimistisch in die Zukunft. Im laufenden Jahr rechne das Handwerk mit einem Umsatzanstieg von bis zu drei Prozent. 

Die „weltweit angesehene Königsdisziplin des deutschen Handwerks“, die Meisterausbildung, scheint nach Auffassung von Strothmann auf europäischer Ebene zunächst gesichert. Die „Qualifikationskultur des Handwerks“ sei in den letzten Monaten vehement verteidigt worden. Der Deutsche Bundestag habe eine Subsidiaritätsrüge gegen Brüssel erhoben, ebenso wie Frankreich und Österreich. Auch Ungarn und Rumänien haben sich angeschlossen. Die Europäische Kommission wollte alle neuen Berufsreglementierungen auf europäischer Ebene prüfen lassen. „Brüssel hat auf den massiven Druck reagiert“, erklärte Lena Strothmann. Das vom Europäischen Rat verabschiedete Papier zum EU-Dienstleistungspaket habe die Bedenken der Länder berücksichtigt. Die Mitgliedsstaaten dürfen danach weiter über ihre Berufsreglementierungen entscheiden. Die Entscheidung des Europaparlaments stehe noch aus.

Der Fachkräftemangel sei für Handwerksbetriebe zum „Geschäftsrisiko Nummer eins“ geworden. Allein in den nächsten Jahren seien bis zu 3.500 Betriebsübergaben im OWL-Handwerk zu regeln. Kompetente Nachfolger fehlten häufig, bedauerte Strothmann.

Um das Handwerk attraktiver für Jugendliche zu machen, haben die Handwerksorganisationen die Bildungsinitiative „Höhere Berufsbildung“ ins Leben gerufen. „Mit neuen Bildungsangeboten wie dem BerufsAbitur, das eine Ausbildung mit dem Abitur kombiniert, wollen wir wieder mehr junge Leute gewinnen“, erklärte Strothmann.

Erfreulicherweise zeigten in diesem Jahr die Lehrlingszahlen in Ostwestfalen-Lippe leicht nach oben, betonte die Handwerkspräsidentin.   

Analog zum Hochschulpakt forderte die Handwerkspräsidentin einen Berufsbildungspakt als Ausdruck der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Die berufliche Aus- und Weiterbildung müsse weiterentwickelt und stärker finanziell gefördert werden. 

Die Integration von Flüchtlingen und eine gezielte, bedarfsgerechte Einwanderung, die durch ein neues Einwanderungsgesetz geregelt wird, seien weitere Möglichkeiten, Fachkräfte zu gewinnen.