11-04-2017

Investitionsklima auf 25-Jahres-Hoch

Handwerk für den gewerblichen Bedarf übernimmt Führungsrolle Investitionsklima auf 25-Jahres-Hoch

Das Handwerk in Ostwestfalen-Lippe bleibt auf der Erfolgsspur und blickt ausgesprochen optimistisch in die Zukunft. Das Investitionsklima erreicht mit 87,4 Punkten den höchsten Wert seit 1991. Das Beschäftigungsklima steigt mit 93,5 Punkten sogar auf den höchsten Wert seit Beginn der Konjunkturberichterstattung im Jahr 1978. „Das Handwerk hat goldenen Boden“, freut sich Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer OWL, und appelliert auch an die Handwerksmeisterinnen und -meister, weiter in Aus- und Weiterbildung zu investieren. „Eine Wachstumsbremse ist der Fachkräftemangel“, so Strothmann.

 

Die Umsätze und Auftragsbestände haben sich in den Wintermonaten „bemerkenswert“ positiv entwickelt, betont die Präsidentin. 30 Prozent der befragten Betriebe berichten von gestiegenen Umsätzen und sogar 34 Prozent von gestiegenen Auftragsbeständen. Die Negativmeldungen liegen mit 18 beziehungsweise 17 Prozent deutlich niedriger. Die Zukunftserwartungen seien noch optimistischer, 45 Prozent erwarten steigende Umsätze und 44 Prozent steigende Auftragseingänge. Die durchschnittliche Auftragsreichweite liegt bei 6,6 Wochen (5,9 Wochen im Vorjahr). Die längsten Reichweiten meldet das Bauhauptgewerbe mit 9,4 Wochen, gefolgt vom Ausbaugewerbe mit 7,3 Wochen.

 

Am zufriedensten zeigt sich in Ostwestfalen-Lippe das Handwerk für den gewerblichen Bedarf, dicht gefolgt vom Bauhauptgewerbe und dem Ausbaugewerbe. Deutlich zugelegt hat auch das Dienstleitungsgewerbe, während das Kfz-Handwerk und die Gesundheitshandwerke jeweils eine leichte Eintrübung hinnehmen mussten.

 

Das Bauhauptgewerbe profitiert weiterhin vom ausgeprägten Bau- und Immobilienboom. „Die ausgezeichnete Lagebeurteilung liegt noch über dem hohen Niveau vom letzten Frühjahr“, erklärt Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter der Abteilung Wirtschaftsförderung und Finanzen. Der Geschäftsklimaindex des Bauhauptgewerbes steigt gegenüber dem Frühjahr 2016 deutlich von 93,4 auf 96,1 Punkte. Über zwei Drittel der Betriebe nennt eine Kapazitätsauslastung von mehr als 80 Prozent. „39 Prozent der befragten Betriebe erwarten noch eine Verbesserung ihrer Geschäftslage und nur zwei Prozent eine Verschlechterung“, betont Borgert.   

 

Auch die Lage im Ausbaugewerbe wird positiv vom Immobilienboom geprägt. 61 Prozent aller befragten Betriebe sprechen von einer guten Geschäftslage. „Das ist mit Abstand der höchste Wert aller Branchengruppen“, erklärt Borgert. Nur fünf Prozent seien unzufrieden. Die durchschnittliche Auftragsweite liege mit 7,3 Wochen über dem Vorjahresniveau (6,3 Wochen). 68 Prozent der Betriebe melden eine Auslastung von 80 Prozent, auch der Blick in die Zukunft ist von überwiegendem Optimismus geprägt: 34 Prozent erwarten eine bessere und 62 Prozent eine unveränderte Geschäftslage. Das Beschäftigungsklima steigt auf 93,3 Punkte.

 

Die Handwerke für den gewerblichen Bedarf  (Zulieferer und Dienstleister der Industrie) haben den ersten Platz im OWL-Ranking erobert und profitieren von einer ausgezeichneten konjunkturellen Lage. 47 Prozent der Betriebe melden eine gute und 50 Prozent eine zufriedenstellende Geschäftslage, nur drei Prozent beurteilen die derzeitige Situation als schlecht. Bei Umsätzen, Beschäftigten und Auftragsbeständen überwiegen die Positivmeldungen, allerdings melden auch 19 Prozent der befragten Betriebe sinkende Umsätze und 16 Prozent sinkende Auftragsbestände. Die Zukunftserwartungen seien wiederum sehr positiv, berichtet Borgert: 46 Prozent erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage und nur fünf Prozent eine Verschlechterung.

 

Das Kraftfahrzeuggewerbe bewegt sich weiter auf dem vergleichsweise schwachen Niveau des Frühjahres 2016, berichtet Borgert. Zwar bewerten 42 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut (32 Prozent im Frühjahr 2016), die Zahl der Unzufriedenen liegt allerdings bei 17 Prozent (14 Prozent im Frühjahr 2016). Bei den Entwicklungen von Umsätzen und Auftragsbeständen überwiegen die Positivmeldungen, der Anteil der Negativmeldungen ist mit 27 Prozent jeweils vergleichsweise hoch. Die Zukunftserwartungen der Kfz-Betriebe lassen deutlichen Optimismus erkennen: 44 Prozent rechnen mit einer besseren und nur acht Prozent mit einer schlechteren Geschäftslage.

 

Die Beurteilung der Geschäftslage im Nahrungsmittelgewerbe ist wegen des geringen Rücklaufs nur begrenzt repräsentativ. Die 14 Betriebe, die geantwortet haben, melden zu 36 Prozent eine positive und zu 64 Prozent eine zufriedenstellende Geschäftslage. Auch die Zukunftserwartungen sind deutlich optimistisch: 36 Prozent erwarten eine bessere und nur sieben Prozent eine schlechtere Beschäftigungslage.

 

Die Gesundheitsgewerbe melden zu 30 Prozent eine gute Geschäftslage. Im letzten Frühjahr waren es noch 44 Prozent. 59 Prozent sind zufrieden (52 Prozent) und elf Prozent unzufrieden (vier Prozent). Die Zukunftserwartungen lassen keinen ausgeprägten Optimismus erkennen: Der Anteil der Negativerwartungen ist mit 15 Prozent so hoch wie in keiner anderen Branche. Bei der Entwicklung der Umsätze liegen mehr Negativ- als Positivmeldungen vor.

 

Eine positive Entwicklung verzeichnen die Handwerke für den privaten Bedarf  (personenbezogene Dienstleistungen). Der Geschäftsklimaindex stieg seit dem Frühjahr 2016 um 3,7 auf 92,6 Punkte. 42 Prozent melden eine gute und zehn Prozent eine schlechte Geschäftslage. Bei 41 Prozent der befragten Betriebe stiegen die Umsätze. Die gute Auftragslage ermöglicht 35 Prozent der Betriebe eine Erhöhung der Verkaufspreise. Die Branche zeigt den mit Abstand größten Zukunftsoptimismus: 52 Prozent erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage und nur vier Prozent eine Verschlechterung. Die gute Stimmung wird gestützt durch das gute Konsumklima und die hohe Kauflaune der Verbraucher.

 

Rund 800 Handwerksunternehmen aus Ostwestfalen-Lippe haben auf die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer geantwortet.   


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