31-01-2017

Vernetztes Wohnen mit einheitlichen Standards

Erstmals tagte der Arbeitskreis „Vernetztes Wohnen und mobiles Leben“ des Bundes-Wirtschaftsministeriums in der Handwerkskammer OWL.

(v.l.) Ingolf Jakobi, Hauptgeschäftsführer ZVEH, Roland Willrich und Dr. Maribel Illig (beide Handwerkskammer), Dr. Andreas Goerdeler, Ministerialdirigent des Bundes-Wirtschaftsministeriums, Johannes Hauck, Hager Elektro GmbH & Co KG, und Dr. Thomas Becks, VDE


Der Arbeitskreis war 2013 auf Initiative einer Anzahl von Verbänden gegründet worden, um Wissen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zu bündeln und die Wirtschaft für den relativ neuen Markt rund um das „vernetzte Haus“ fit zu machen. „Häufig arbeiten die Bereiche Elektro, Sanitär und Heizung, Sicherheitstechnik oder Entertainment bei der Installation von digitalen Funktionen getrennt voneinander“, erklärte Dr. Andreas Goerdeler, Ministerialdirigent beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Künftig gelte es, die verschiedenen Funktionen in „einfach handhabbaren Systemen“ zusammen zu fassen. Mittelfristig müsse die smarte Technik von jedermann leicht zu bedienen sein. Goerdeler sieht den Bedarf an vernetzten Häusern nicht nur bei jungen technikaffinen Leuten, sondern vor allem auch bei älteren Personen, die durch die „altersgerechten Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben“ länger in ihrer Wohnung leben können.

Die neue Zusatzqualifikation „Fachkraft für intelligente Gebäudetechnologien (HWK)“ der Handwerkskammer OWL, die im Januar erstmals im Campus Handwerk in Bielefeld angelaufen ist, bereitet Handwerkerinnen und Handwerker sowie Fachkräfte genau auf diese Anforderungen vor. „Schnittstellen zwischen den Gewerken finden und interdisziplinäre Lösungen anbieten, das lernen unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer“, erklärt Roland Willich, Leiter des Bereichs Intelligente Gebäudetechnologien der Handwerkskammer OWL. 

„Noch gibt es eine gute Chance, selber Standards zu setzen“, ergänzt Dr. Klaus Glasmacher, ebenfalls vom Bundes-Wirtschaftsministerium. In Deutschland gebe es gute Hersteller-Firmen, die müssten ermuntert werden, ihre Standards abzustimmen, damit die Systeme kompatibel und ausbaufähig seien. Momentan sei das Angebot von einer Vielzahl von firmenbezogen Insellösungen dominiert. Das stelle ein Markthemmnis da. Eine Studie des Bundes-Wirtschaftsministeriums schätzt den Anstieg des erzielbaren Smart-Home-Marktvolumens allein in Deutschland auf rund 20 Milliarden Euro im Jahr 2025.   

Daher hat der Arbeitskreis auf der Tagung im Campus Handwerk die Vorbereitung der Gründung der „Deutschen Wirtschaftsinitiative Smart Living“ beschlossen. Neben den Verbänden sollen Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen und Hersteller an dieser neuen Initiative teilnehmen. Eine unabhängige Geschäftsstelle, die öffentlich ausgeschrieben wird, soll zwischen den unterschiedlichen Branchen vermitteln und zur besseren Abstimmung von Maßnahmen und Initiativen in Politik und Wirtschaft beitragen.

Um den Nutzen des vernetzten Lebens besser vermitteln zu können, schlägt Ingolf Jakobi, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerk (ZVEH), die Qualifizierungsmaßnahme „Smart-Living-Lotse“ vor. Wichtig seien gleiche Informationsstandards in der Beratung im Handwerksbetrieb und im Fachgeschäft. Jakobi weist auch auf die Schulung zum Gebäudesystemintegrator der elektrotechnischen Verbände hin, die sich gezielt an Fachleute der Elektro- und Informationstechnik richtet.