06-10-2017

Goldener Konjunkturherbst im OWL-Handwerk

Das Handwerk in Ostwestfalen-Lippe bleibt auf der konjunkturellen Überholspur und blickt optimistisch in die Zukunft.
Verkündeten gute Konjunkturerergebnisse: Hauptgeschäftsführer Dr. Jens Prager, Präsidentin Lena Strothmann und der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Wolfgang Borgert

„Der bislang stärkste positive Konjunkturzyklus wird vornehmlich von handwerklichen Bau- und Ausbauberufen getragen“, erklärte Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer OWL, bei der Vorstellung der Herbstkonjunktur des ostwestfälisch-lippischen Handwerks.  

Der Geschäftsklimaindikator(GKI) steigt in diesem Herbst auf 138 Punkte, ein Plus von sechs Punkten gegenüber dem Vorjahreswert. Auch die Berufsgruppe Gewerblicher Bedarf zeigt sich weiterhin sehr erfolgreich und robust und profitiert von der Exportstärke der deutschen Wirtschaft. „Wir erwarten in unserer Region weiterhin eine stabile wirtschaftliche Entwicklung“, so Strothmann.   

Trotz vieler internationaler Krisenherde und Herausforderungen innerhalb der Europäischen Union beweise das Handwerk eine beachtliche Stärke. Anzeichen dafür sei das Investitionsklima, das von 110 Punkten im Herbst 2016 auf 116 Punkte gestiegen ist und damit ein neues 25-Jahres-Hoch erreicht habe. 31 Prozent der Betriebe melden gestiegene und 58 Prozent stabile Investitionen. Auch die Umsätze und Auftragsbestände entwickeln sich „ausgesprochen erfreulich“: 40 Prozent der befragten Handwerksunternehmen berichten von gestiegenen Umsätzen und 42 Prozent von gestiegenen Auftragsbeständen. Auch bei den Zukunftserwartungen äußern sich die Betriebe deutlich positiver als vor Jahresfrist: 35 Prozent erwarten steigende Umsätze und 39 Prozent steigende Auftragsauftragseingänge. Allerdings gebe es deutliche Unterschiede zwischen den Gewerbegruppen.

„Der zunehmende Verdrängungswettbewerb beispielsweise im Fleischerhandwerk, der auch durch zu viel Bürokratie und Auflagen beschleunigt wird, macht kleinen Betrieben das Leben schwer“, ergänzte Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter der Abteilung Wirtschaftsförderung und Finanzen.   

Der Bauboom hält weiter an und beschert dem Bauhauptgewerbe eine herausragende Konjunktur, betonte Borgert. Die aktuelle Lagebeurteilung übertreffe daher das hohe Niveau vom Herbst 2016. 65 Prozent der Betriebe (53 Prozent im Herbst 2016) melden eine gute und nur fünf (sechs Prozent im Herbst 2016) eine schlechte Geschäftslage. Zwar geht laut Borgert die Anzahl der Baugenehmigungen etwas zurück, dennoch erwarten 27 Prozent der befragten Unternehmen auch im Winterhalbjahr eine verbesserte Geschäftslage. Der Geschäftsklimaindex sei gegenüber dem Vorjahr um 13 Punkte auf 138 gestiegen. Das spiegele sich auch in den Positivmeldungen bei der Umsatzentwicklung, den Auftragseingängen und den Investitionen wider, so der Leiter der Abteilung Wirtschaftsförderung und Finanzen.      

Auch das Ausbaugewerbe profitiere von der positiven Entwicklung im Baubereich, erläuterte Borgert. 66 Prozent berichten von einer guten Geschäftslage (61 Prozent im Herbst 2016). „Das ist ein bislang unerreichter Wert“, betonte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer. Auch bei Umsätzen, Beschäftigtenzahlen, Auftragsbeständen und Investitionen überwiegen die Positivmeldungen deutlich. Der Geschäftsklimaindikator kletterte um sieben Punkte auf 142. Die durchschnittliche Auftragsweite liegt mit 7,9 Wochen deutlich über dem Vorjahreswert. 32 Prozent der Betriebe konnten ihre Preise erhöhen, fast zwei Drittel der Befragten hielten ihre Preise stabil.

Auch die handwerklichen Zulieferer und Dienstleister der Industrie beurteilen ihre Situation ausgesprochen positiv. Sie zeigen die stärkste Aufwärtsdynamik aller Handwerksbranchen: 33 Prozent der befragten Betriebe melden mehr Beschäftigte, 46 Prozent mehr Umsatz und 49 Prozent einen größeren Auftragsbestand. 66 Prozent (49 Prozent im Herbst 2016) der Zulieferer beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Lediglich zwei Prozent sind unzufrieden. Auch der Blick in die Zukunft ist optimistisch: 29 Prozent erwarten eine Verbesserung und 63 Prozent keine Veränderung, nur sieben Prozent zeigen sich pessimistisch.           

Das Kraftfahrzeuggewerbe bewertet seine aktuelle Geschäftslage besser als im Vorjahr: 43 Prozent der Befragten sind zufrieden (33 Prozent im Herbst 2016). Auch der Blick in die Zukunft ist positiv: 36 Prozent erwarten eine bessere Geschäftslage und nur sieben Prozent eine schlechtere. Der Geschäftsklimaindex steigt um drei Punkte auf 127. Die Investitionsneigung liegt mit 128 Punkten (Herbst 2016: 121) deutlich über dem Niveau des Gesamthandwerks: 42 Prozent planen steigende Investitionen. Auch die Umsatzentwicklung und die Entwicklung der Auftragsbestände werden positiv gesehen.    

Im Nahrungsmittelgewerbe liegt der Geschäftsklimaindex mit 104 Punkten weit unter den Ergebnissen der letzten Konjunkturumfrage und dem Durchschnittswert des Handwerks. Zwar halten sich die Positiv- und Negativmeldungen mit jeweils 21 Prozent die Waage, allerdings ist das Ergebnis wegen der wenigen Rückmeldungen nicht repräsentativ. Von denjenigen, die geantwortet haben, blicken 15 Prozent optimistisch in die Zukunft, acht Prozent sehen sie negativ. Auch das Beschäftigungsklima ist mit 85 Prozent relativ verhalten.   

Die Zufriedenheit der Gesundheitsgewerbe ist gegenüber dem Frühjahr gestiegen. Der Geschäftsklimaindex liegt mit 132 Punkten knapp unter dem Niveau im Herbst 2016 (134 Punkte). Vor allem die Zukunftserwartungen liegen deutlich oberhalb des Durchschnitts aller Branchengruppen: 39 Prozent der Gesundheitsbetriebe erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage und 61 Prozent erwarten eine gleichbleibende Situation. Das Investitionsklima steigt von 102 Punkten im Herbst 2016 auf 109 Punkte. „Momentan ist die Investitionsentwicklung sehr hoch, sie dürfte allerdings im nächsten Halbjahr abflachen“, erklärte Borgert.   

Den größten Zukunftsoptimismus verbreiten die Handwerke für den privaten Bedarf: 50 Prozent erwarten eine verbesserte Geschäftslage (46 Prozent im Herbst 2016). Nur vier Prozent sind pessimistisch gestimmt. Mit einem Investitionsklima von 122 Punkten liegen die Handwerke für den privaten Bedarf an der Spitze aller Handwerksbranchen.


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