27-04-2017

Wettkampferfolge und Liebe zum Rad

Zweiradmechanikergeselle Kasimir Kohlhage (24) übt seinen Beruf mit großer Leidenschaft aus und hat Erfolge bei Wettbewerben eingeheimst.
(v.l.): Kasimir Kohlhage, Gesellin Darlene Ammon, Tim Zimmermann und Barbara America-Sieckmann

Das Schrauben und exakte Richten, aber auch neue Techniken interessieren den Fahrradfan. Seine Liebe zum Beruf hat ihm herausragende Wettkampferfolge beschert. Der Bielefelder holte den zweiten Platz im Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks auf Bundesebene. Beim Europa-Cup wurde er stolzer Vierter.

Kohlhage hat seine Ausbildung im Fachbetrieb Raddesign in der Bielefelder Innenstadt absolviert. Das Unternehmen hat sich auf den Individualbau von Fahrrädern spezialisiert. Natürlich gibt es auch „Räder von der Stange“, E-Bikes und einen stark nachgefragten Reparaturservice. „Bei den mechanischen Arbeiten sind unsere Auszubildenden fit“, betont Inhaberin Barbara America-Sieckmann stolz. Vor allem das präzise Zentrieren der Räder beherrschen sie aus dem Effeff. Ein klarer Vorteil für Kasimir. Beim Bundeswettbewerb musste er unter anderem die Hinterraddämpfer eines vollgefederten Fahrrads auseinanderbauen, eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Tricky war die geforderte Fehleranalyse bei einem Rennrad, die Unterlegscheiben waren falsch montiert. Beim Europa-Cup auf der Messe Swiss Moto in Zürich haben die Prüfer ihre Ansprüche noch eine Stufe höher geschraubt. In anderthalb Stunden baute der junge Bielefelder jeweils ein vollgefedertes Mountainbike und ein City-Bike zusammen. Darüber hinaus musste er eine elektronische Schaltung und elektronisch gesteuerte Dämpfer am Computer einstellen und einbauen – wieder auf Zeit.    

Das Siegertreppchen beim Europa-Cup hat er knapp verpasst und ist dennoch stolz. Auch seine Chefin ist begeistert. „Eine Superleistung“, freut sie sich. Sie ist Vollblutausbilderin. Eine Ausbildung im Handwerk fördert das Selbstbewusstsein und bereitet hervorragend auf das Leben vor. Da ist sie sich mit ihrem Gesellen Kasimir Kohlhage einig. Diese Aussagen bestätigt Tim Zimmermann, zuständig für die Organisation des Leistungswettbewerbs in Ostwestfalen-Lippe bei der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld. 

Neue Techniken halten auch Einzug in die Welt der Fahrräder. Die E-Bikes gehören für viele selbstverständlich zum Alltag. „Die Technik ist inzwischen zuverlässig geworden“, erklärt America-Sieckmann. Elektronische Komponenten werden vor allem bei Sporträdern eingebaut. „Sollten die Akkus unterwegs mal leer sein, gibt es spezielle Powerbanks, so dass die Fahrradfahrt auf jeden Fall weitergehen kann“, erläutert Kohlhage, der neuen Entwicklungen gegenüber äußert aufgeschlossen ist.  

Derzeit absolviert der Geselle eine Ausbildung zum Techniker am DAA Technikum in Essen, finanzieren kann er die Weiterbildung mit dem Stipendium „Begabtenförderung Berufliche Bildung", das über die Handwerkskammer vergeben wird. Neben Fortbildung und Berufstätigkeit engagiert sich Kasimir Kohlhage in der Flüchtlingshilfe. Natürlich geht es dort auch um Fahrräder: Gemeinsam mit den Geflüchteten macht er gespendete Fahrräder flott und zeigt ihnen, wie sie künftig selbst einfache Reparaturarbeiten durchführen können. Wer noch nicht radeln kann, dem bringt er es bei.