Licht an, bevor es ganz ausgeht
HWK OWL

OWL Betriebe beteiligen sich an der Aktion "Licht an, bevor es ganz ausgeht!"

04.02.2021

„Licht an, bevor es ganz ausgeht!“ lautete das Motto der Aktion der Friseurinnen und Friseure in ganz Deutschland, die vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks initiiert wurde. Um Gesellschaft und Politik auf die dramatische Lage des Friseurhandwerks aufmerksam zu machen, brannte in der Nacht vom 31. Januar zum 01. Februar 2021 auch in vielen zwangsweise geschlossenen Salons in OWL das Licht. In der ganzen Branche herrscht Verzweiflung und Existenz- und Zukunftsängste bestimmen derzeit den Alltag. Bürokratische Prozesse verhindern bislang die sofortige finanzielle Unterstützung von Betroffenen und die Rücklagen sind bei vielen bereits aufgebraucht. Aussagen wie die von Robert Mrosek „Wenn wir keine Perspektive bekommen, gibt es bald keine Friseure mehr in Deutschland“ oder von Friseurmeisterin Birgit Dreisilker „Ich musste zwei Lohnvorauszahlungen für meine Mitarbeiterinnen leisten, ohne dass ich finanzielle Unterstützung bekommen habe“ verdeutlichen, wie dramatisch die momentane Situation ist. Die Branche ist bereits durch den ersten Lockdown geschwächt. Wie es zukünftig weitergehen soll, weiß niemand.

Die Stimmung im OWL-Friseurhandwerk ist bedrückend. Die Fixkosten laufen weiter, doch es kommt kein Geld rein. Und nun muss die im Frühjahr 2020 erhaltene Corona-Soforthilfe von vielen Betroffenen teilweise in voller Höhe zurückgezahlt werden. Viele bürokratische Hürden verursachen darüber hinaus zusätzliche Kosten. Friseurmeister Robert Mrosek, Inhaber des Salons Mrosek Hair, fühlt sich als Selbstständiger in dieser Krise von der Politik im Stich gelassen. „Man muss erst einmal Geld bekommen, um Geld weitergeben zu können. Und wenn ich die für Dezember angekündigte Unterstützung erst im März bekomme, bringt mir das gar nichts“, so Mrosek. Doch die größte Sorge des Bielefelder Friseurs und Top-Stylisten gilt der Verantwortung, die er gegenüber seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen trägt. Er fragt sich, wie sein Team mit der Situation zurechtkommt, denn ohne Perspektive auf eine planbare Wiedereröffnung ist es für alle Beteiligten schwer, den letzten Funken Zuversicht nicht auch noch zu verlieren.

Und die Auswirkungen der erzwungenen Schließung von Friseur- und Kosmetiksalons trotz ausgereifter Hygienekonzepte sind leider noch viel weitreichender. Die Schwarzarbeit boomt – denn wer sein Leben finanziell nicht mehr bestreiten kann, greift aus Verzweiflung zu Kamm und Schere, obwohl es verboten ist. Spätestens jetzt sollten auch in der Politik die Alarmglocken läuten, denn für die Eindämmung der Pandemie ist dieser Zustand eine Katastrophe. Sowohl Friseure und Friseurinnen als auch Kosmetiker und Kosmetikerinnen arbeiten schon immer unter äußerst hygienischen Bedingungen. Nach dem ersten Lockdown haben die Unternehmen viel Geld in Hygienekonzepte investiert, um körpernahe Dienstleistungen anbieten und gleichzeitig den Gesundheitsschutz ihrer Kundschaft gewährleisten zu können. In den Salons ist die Einhaltung der Hygienemaßnahmen gesichert. Bei illegalen Hausbesuchen nicht.

Als wäre es nicht schlimm genug, dass viele Friseur- und Kosmetikbetriebe vor dem Ruin stehen, erleidet das gesamte Gewerk einen erheblichen Imageschaden, der sich negativ auf die Nachwuchsgewinnung auswirkt. „Wer möchte denn zukünftig eine Ausbildung als Friseur oder Friseurin machen, wenn potenzielle Nachwuchskräfte sehen, dass wir komplett durchs Raster fallen?“ fragt Sarah Bokermann, Friseurmeisterin und Inhaberin des Gütersloher Salons Haartolle. Die Gütersloherin ist das beste Beispiel für eine steile „Lebe deinen Traum“-Karriere und hat sich in OWL einen Namen gemacht. Trotz der anfänglichen Skepsis ihrer Mitmenschen gegenüber ihrem Berufswechsel aus der Medizinbranche ins Friseurhandwerk und ihrem Ausbruch aus gesellschaftlichen Konventionen, hat Sarah Bokermann es im wahrsten Sinne des Wortes gerockt. Sie ist eine Powerfrau, die sich ehrenamtlich in den Gremien der Handwerkskammer engagiert und mit ihrer Leidenschaft für das Friseurhandwerk gerne die nächste Generation für eine Ausbildung in diesem Gewerk begeistern möchte. Daher wächst ihr Unverständnis gegenüber dem mangelnden Einsatz der Politik für das Friseurhandwerk in dieser Krise von Tag zu Tag. Genau wie ihre Kolleginnen und Kollegen fordert sie einen einfacheren Zugang zu Hilfsgeldern.

Die Angst vor einer Infektion mit dem Corona-Virus ist allgegenwärtig und wird durch die Planungsunsicherheit zusätzlich verstärkt. „Wenn wir wieder aufmachen, wollen doch alle der oder die Erste sein. Und wenn ich dann einen Corona-Fall hier in meinem Laden habe, mache ich zu, während alle anderen wieder geöffnet haben“, so Birgit Dreisilker. Sie wünscht sich vor allem eines: Planungssicherheit. Planungssicherheit für die Finanzen und eine realistische Perspektive, wann eine geplante Wiedereröffnung realisiert werden kann.