30-10-2019

Gründer setzen auf digitale Techniken

Gründungsinteressierte erhalten Tipps auf dem ostwestfälisch-lippischen Gründertag am 7. November.

(v.l.) HWK-Beraterin Kerstin Naumann, Johann Brauer, IHK-Beraterin Kathrin Teschke, René Martin Keber, Stephan Röcken und Thomas Kursawe schauen Birgit Indiesteln bei ihren zahntechnischen Arbeiten zu


Ein Zahntechnikermeister, ein Fotografenmeister, ein Jurist und ein Betriebswirt berichten über ihren Weg in die Selbstständigkeit. Auf dem ostwestfälisch-lippischen Gründertag am 7. November (8:30 Uhr bis 16:30 Uhr) im Gebäude der Industrie- und Handelskammer in Bielefeld  geben sie Gründungsinteressenten Tipps.

 

Zahntechnikermeister Thomas Kursawe (53) möchte die „Zahntechnik in die Jetztzeit“ bringen. Handwerkliches Geschick in Kombination mit digitalen Techniken, das macht die moderne Zahntechnik aus, die er in seinem Unternehmen Les Dents GmbH in Bielefeld-Quelle verwirklicht. Les Dents hat Kursawe im Februar dieses Jahres gegründet. Sechs Jahre war er Geschäftsführer in der Vorgänger-GmbH. Diese Gesellschaft übernahm er jedoch nicht komplett, sondern kaufte Teile daraus. Die Mitarbeiter blieben ihm treu. Den ehemaligen Namen hat der Zahntechnikermeister auf Les Dents verkürzt, auch als Zeichen, dass etwas Neues kommt. Bei der Bewältigung der schwerfälligen Bürokratie fand er Unterstützung bei Kerstin Naumann und Stefan Edler von der Handwerkskammer sowie bei der Sparkasse.

 

Auch in die Zahnarztpraxen zieht die digitale Welt ein. Statt Abdrücken gibt es immer häufiger Laseraufnahmen, die Les Dents zunächst digital weiterbearbeitet. Ohne handwerkliches Grundwissen und Geschick lassen sich auch High-Tech-Geräte wie die CAD/CAM-Fräsanlage nicht bedienen. Neue innovative Techniken machen das Arbeiten im Zahntechniklabor jedoch schneller, kostengünstiger und hochwertiger und erschließen neue, ganz individuelle Möglichkeiten.

 

Mit 14 Praxen arbeitet Kursawe zusammen. Gerne berät er die Patienten gemeinsam mit der Zahnärztin oder dem -arzt. Die Ärzte kennen den medizinischen Befund, Kursawe weiß, was technisch möglich ist. Der Unternehmer beschäftigt neun Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende.    

    

Fotografenmeister Stephan Röcken (46) hat im August 2018 das Fotostudio Tölle übernommen. Die Übernahme sei aus dem laufenden Betrieb erfolgt. Röcken hat sich privat einen Berater engagiert und über die Industrie- und Handelskammer einen Beratungskostenzuschuss erhalten.  

 

Seine Ausbildung im Handwerk hat er 1997 als Prüfungsbester abgeschlossen und sich über Stipendien weitergebildet. Das Bielefelder Studio Tölle hat einen unternehmerischen Schwerpunkt auf die Foodfotografie gelegt. Mit einer speziellen Fachkamera werden die von speziellen Foodstylisten arrangierten Speisen abgelichtet. Bei der Foodfotografie verwende er keine synthetischen Hilfsmittel. Das Foto auf der Kartonage entscheide, welches Gericht der Kunde der Tiefkühltruhe im Supermarkt entnehme, so Röcken. Insgesamt werde der Bedarf an Fotos größer. Seine Expertise und sein Fachwissen geben ihm die Sicherheit, auf dem Markt trotz vieler Blogger im Internet gefragt zu bleiben.

 

Weiterhin hat er das 3-D-Rendering im Programm. Beim Rendering entstehen aus Modellen Bilder. Diese Visualisierung von Entwürfen kommt unter anderem in der Architektur zum Einsatz.  Sein Geschäftsfeld beinhaltet auch Videos, die zumeist als Gesamtpaket mit erstellt und verkauft werden. Kürzlich hat Röcken seinen ersten 7-sekündigen TV-Spot gedreht.

 

Controller Johann Brauer (35) und Jurist René Keber (41) haben das Marktforschungsunternehmen Global Scope Solutions gegründet. Die GmbH hat nach der Gründung bei Null angefangen. Ihr Beratungsschwerpunkt liegt bei mittelständischen Unternehmen. Bereiche wie der Maschinenbau, der Werkzeugbau, der Bausektor und auch die E-Mobilität werden derzeit verstärkt ausgewertet. Fragen sind unter anderem: Inwieweit muss die Infrastruktur angepasst werden, reicht das Stromnetz aus, um E-Mobilität zu verwirklichen? Kann in produzierenden Unternehmen das Handling von Maschinen vereinfacht werden? Wie kann der Facharbeitermangel durch neue Techniken aufgefangen werden? Derzeit kommen 90 Prozent der Kunden aus dem Ausland, derzeit sei man dort eher bereit Geld für Marktforschung auszugeben, doch auch in Deutschland erkennen Unternehmen die Notwendigkeit mehr und mehr. Im Ausland arbeiten Brauer und Keber mit Muttersprachlern zusammen, in Bielefeld beschäftigen sie sechs Mitarbeiter und einige freie Mitarbeiter.