16-04-2019

Handwerk schaut optimistisch in die Zukunft

Das Beschäftigungsklima bleibt auf Rekordniveau.
(v.l.) Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, und Präsidentin Lena Strothmann sehen eine Verlängerung des starken Konjunkturzyklus

Die robuste Konjunktur des Handwerks wird weiterhin von den starken Leistungen der Bau- und Ausbaubranche getragen.  

 

 „Die Frühjahrskonjunktur 2019 verlängert den bislang stärksten Konjunkturzyklus des OWL-Handwerks, allerdings auf leicht schwächerem Niveau“, erklärte Lena Strothmann, Präsidentin  der Handwerkskammer, bei Vorstellung der Frühjahrskonjunktur im Campus Handwerk in Bielefeld. Der Geschäftsklimaindikator (GKI) fiel von dem Rekordwert des letzten Frühjahres um acht Punkte auf 139 Punkte. „Das Investitionsklima bleibt mit 116 Punkten nahe an dem Rekordniveau, bei einem leichten Minus gegenüber dem Vorjahreswert von drei Punkten“, ergänzte die Präsidentin. 94 Prozent der Betriebe berichten aktuell über eine gute oder zufriedenstellende Geschäftslage. Die Kapazitäten der Betriebe sind weiterhin sehr ausgelastet: 56 Prozent der befragten Unternehmen melden eine starke Auslastung von 80 Prozent und mehr. Im Bauhauptgewerbe sind es 73 Prozent der befragten Unternehmen. Die durchschnittliche Auftragsreichweite ist gegenüber dem Vorjahr weiter auf 8,2 Wochen im Durchschnitt aller Gewerke gestiegen. Im Bauhaupthandwerk liegt die Wartezeit für Kunden sogar bei 14 Wochen. „Leichte Dellen sind in der Gewerbegruppe Gewerblicher Bedarf zu spüren“, ergänzte die Präsidentin und führte diese Entwicklung auf die schwierige Situation auf dem Weltmarkt zurück.    

 

Angetrieben wird die gute Stimmungslage im Handwerk weiterhin vom Bauboom. Die Konjunktur im Bauhauptgewerbe läuft aufgrund des anhaltenden Bau- und Immobilienbooms und der niedrigen Zinsen weiterhin auf Hochtouren, betonte Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer.  Sie liegt nahe am Rekordniveau des letzten Frühjahrs“. 69 Prozent (73 Prozent) melden eine gute und nur drei Prozent (ein Prozent)  eine schlechte Geschäftslage. Der Geschäftsklima-Index sank leicht von 154 im Frühjahr 2018 auf 148 in diesem Jahr. Die Situation auf dem leergefegten Arbeitsmarkt bremst das Entwicklungspotenzial der Bauunternehmen aus.

 

Die ausgezeichnete Marktlage erlaubt es den Baubetrieben, ihre steigenden Kosten am Markt durchzusetzen: 47 Prozent sprechen von einem gestiegenen Preisniveau, 42 Prozent erwarten im nächsten Halbjahr steigende Preise.

 

Das Ausbaugewerbe, die größte Branchengruppe des Handwerks, profitiert weiterhin von der positiven Entwicklung im Baubereich. 64 Prozent der befragten Betriebe berichten von einer guten Geschäftslage, 67 Prozent waren es im letzten Frühjahr. „Lediglich drei Prozent sind unzufrieden“, betonte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer. Die Zukunftserwartungen sind optimistisch: 33 Prozent (43 Prozent) gehen von einer noch besseren Geschäftslage aus, 61 Prozent (55 Prozent) rechnen mit einer gleichbleibend guten Lage. Der Geschäftsklimaindikator liegt stabil bei 143 Punkten (Frühjahr 2018: 151 Punkte). Die Beschäftigungsdynamik der Branche ist weiterhin positiv und entspricht der des Vorjahres: 17 Prozent melden eine positive Entwicklung, bei 72 Prozent ist die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleich geblieben. Auch Umsätze, Auftragsbestände und Preise zeigen weiterhin eine Aufwärtsdynamik: Bei 34 Prozent der befragten Betriebe stiegen die Umsätze und bei 37 Prozent die Auftragsbestände. 42 Prozent der Betriebe im Ausbaugewerbe konnten die Preise leicht erhöhen.   

 

Die handwerklichen Zulieferer und Dienstleister der Industrie bekommen in diesem Frühjahr die Auswirkungen der verunsicherten Weltwirtschaft und die Brexitrisiken zu spüren. 54 Prozent der befragten Unternehmen melden eine gute Geschäftslage, im Vorjahr waren es noch 67 Prozent. Allerdings steigt die Zahl der Negativmeldungen nur leicht von fünf auf sieben Prozent. Bei Umsätzen und Auftragsbeständen zeigt sich eine abgeschwächte Aufwärtsdynamik: 33 Prozent melden gestiegene Umsätze und 31 Prozent höhere Auftragsbestände, aber die Zahl der Negativmeldungen ist beim Gesamtumsatz auf 20 Prozent und bei der Entwicklung des Auftragsbestands um 22 Prozent gestiegen. Auch die Zukunftserwartungen fallen gedämpfter aus: Zwar erwarten 34 Prozent steigende Umsätze und 30 Prozent steigende Auftragseingänge, aber mit 13 Prozent beziehungsweise 14 Prozent erwarten mehr Betriebe als im Vorjahr eine rückläufige Entwicklung. Das Investitionsklima ist ebenfalls deutlich von 123 Punkten auf 110 Punkte gesunken.    

 

Das Kraftfahrzeuggewerbe bewertet die aktuelle Geschäftslage schwächer als im Vorjahr. 41 Prozent der Betriebe (53 Prozent im Frühjahr 2018) melden eine gute Geschäftslage, 47 Prozent (39 Prozent) sind zufrieden und zwölf (acht) Prozent sind unzufrieden. Der Geschäftsklima-Indikator ist im Kfz-Gewerbe um 15 Punkte auf 125 Punkte gesunken. Die konjunkturelle Schwäche wird auch deutlich an der Entwicklung von Umsätzen und Auftragsbeständen: 25 Prozent (37 Prozent im Frühjahr 2018) melden gestiegene Umsätze, 28 Prozent gestiegene Auftragseingänge (35 Prozent). Das Investitionsklima stieg jedoch um zwei Punkte auf 127 Punkte, den höchsten Wert der handwerklichen Branchengruppen. 52 Prozent (43 Prozent im Frühjahr 2018) der befragten Betriebe melden eine gestiegene und nur elf Prozent eine rückläufige Investitionstätigkeit.  

 

Das Nahrungsmittelgewerbe beurteilt die Geschäftslage weiterhin positiv:

56 Prozent der befragten Betriebe melden eine gute und sechs Prozent eine schlechte Geschäftslage. Das Beschäftigungsklima steigt deutlich auf 118 Punkte. Die Zahl der Pessimisten bleibt mit elf Prozent deutlich niedriger. 44 Prozent der befragten Unternehmen haben investiert, 39 Prozent planen Investitionen für die nahe Zukunft. Das Ergebnis ist allerdings nicht repräsentativ.

 

Im handwerklichen  Gesundheitsgewerbe bewegt sich das Geschäftsklima mit 135 Punkten weiterhin auf dem hohen Vorjahrsniveau (136 Punkte).  41 der befragten Betriebe erwarten für das nächste Halbjahr eine bessere Geschäftslage, nur acht Prozent eine schlechtere. Mit 43 Prozent bewerben deutlich mehr Betriebe die Umsatzentwicklung positiv als im Vorjahr (24 Prozent). Das Investitionsklima stieg stark von 93 Punkten im Frühjahr 2018 auf derzeit 115 Punkte.

 

Die Stimmung bei den Handwerken für den privaten Bedarf sinkt leicht von 134 auf 128 Punkte: 40 Prozent melden eine gute Geschäftslage und nur 13 Prozent eine schlechte. 36 Prozent erwarten künftig eine bessere Geschäftslage, und sechs Prozent sind pessimistisch gestimmt. Das Beschäftigungsklima liegt mit 104 Punkten unter dem Wert des Gesamthandwerks (111 Punkte). Allerdings erwarten 85 Prozent eine unveränderte Beschäftigtenzahl, das ist das stabilste Ergebnis aller Branchengruppen. Die Zukunftserwartungen sind positiv ausgeprägt: 33 Prozent der befragten Betriebe rechnen mit steigenden Umsätzen und Auftragseingängen. 

 

Der Konjunkturbericht ist unter diesem Link abrufbar.