21-03-2019

Zukunftspreis geht an vier Gründer

Die Stiftung Zukunftspreis Handwerk Ostwestfalen-Lippe hat in diesem Jahr die Preisvergabe unter das Motto „Existenzgründung“ gestellt

Die Preise werden in vier Kategorien vergeben. Mit der Vergabe möchte die Stiftung die große Bedeutung von Existenzgründungen für Wirtschaft und Gesellschaft herausstellen. „Die ausgezeichneten Betriebe haben innovative und tragfähige Geschäftsideen entwickelt und diese auch erfolgreich umgesetzt“, erklärte Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer OWL und Vorsitzende des Stiftungskuratoriums.

 

Den Preis für die beste Gründung einer Handwerkerin in Ostwestfalen-Lippe erhält der Fachbetrieb Brillenliebe Lara Tilleke (Bielefeld). Das Unternehmen ZEP Zimmerei Eugen Penner (Bielefeld) wird als beste Handwerker-Gründung ausgezeichnet. Für eine erfolgreiche Übernahme innerhalb der Familie bekommt Jauer Natursteine GmbH & Co. KG (Bielefeld) den Preis der Fachjury. Überzeugen konnte auch die Tischlerei Holste (Rheda-Wiedenbrück) mit einer externen Betriebsübernahme durch Pacht eines renommierten Betriebes.  

 

Eine Fachdelegation unter der Leitung von Lena Strothmann und Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL und Vorstandsvorsitzender der Stiftung, besuchte die vier Siegerbetriebe. „Rund jeder fünfte Handwerksbetrieb steht in den nächsten Jahren vor einer Übergabe“, erklärte Prager. Daher sei eine lebendige Gründerkultur auch im Handwerk unverzichtbar. Er forderte während der Firmenbesuche einen nachhaltigen Bürokratieabbau für Unternehmer. Schon Gründer oder Unternehmensnachfolger seien häufig durch die Höhe des bürokratischen Aufwands irritiert. „Kleine und mittelständische Betriebe haben nicht die Personalstärke, um alle Verwaltungs- und Rechtsbereiche abzudecken und benötigend dringend spürbare Entlastungen“, betonte Prager.

 

Augenoptikermeisterin Lara Tilleke hat vor ihrer Unternehmensgründung in der Bielefelder Altstadt sowohl Erfahrungen in anderen Fachbetrieben als auch in der Industrie gewonnen. Zielgruppe ihres jungen Unternehmens Brillenliebe sind „Kunden, die Wert auf gutes Sehen legen“. Die Augenoptikermeisterin ist eine enge Partnerschaft mit einem renommierten Brillenglashersteller eingegangen und hat sich als „Seh-Analyse-Expertin“ zertifizieren lassen. Darüber hinaus verfügt Tilleke über High-Tech-Messgeräte. Die Beratung findet in einem modern gestalteten Raum mit  gehobener „Wohnzimmeratmosphäre“ statt. Sofaecken ersetzen die sonst üblichen Beratungstische. Inzwischen hat Lara Tilleke mit Partnern eine Filiale in Detmold eröffnet. 

 

Zimmerermeister Eugen Penner hat sich 2013 parallel zur Meisterschule selbstständig gemacht, zunächst in Berufen, die keinen Meistertitel verlangen. 2015 hat er den Meistertitel im Zimmererhandwerk erworben, im selben Jahr hat sich Penner als Zimmerermeister in die Handwerksrolle eintragen lassen. Seit 2018 hat er zusätzlich einen Dachdeckermeister in seinem Unternehmen ZEP Zimmerei Eugen Penner eingestellt. Behindertengerechte Umbauten und Hochwasser- und Sturmschutz gehören zu den Spezialgebieten des Fachbetriebes. Carports und Terrassen sowie Fassaden- oder Innenausbau zählen ebenfalls zum Angebot des Betriebes. Für die Dachinspektion setzt das Unternehmen eine Videodrohne ein. Der Fachbetrieb beschäftigt inzwischen elf Mitarbeiter, davon vier Auszubildende. Die Jury überzeugte das schnelle und erfolgreiche Wachstum sowie das „frische“ Online-Marketing des Unternehmens und das Vorgehen in den sozialen Medien. 

 

Lars Jauer hat die Natursteine GmbH und Co. KG in Bielefeld-Quelle von seinem Vater Uwe übernommen. Der langjährige Obermeister der Bielefelder Steinmetz- und Steinbildhauer-Innung hat den Betrieb nach 50 Arbeitsjahren übergeben. Jauer sen. hat den Generationswechsel frühzeitig ins Auge gefasst. Er wollte die nachfolgende Generation nicht blockieren. Steinmetz- und Steinbildhauermeister Lars Jauer errichtete nach der Übernahme eine neue Betriebsstätte mit angeschlossenem Showroom. Vom Aufmaß über die 3D-Planung, von der Produktion bis zur Montage, reichen seine Leistungen für den Innen- und Außenbereich einer Immobilie. Die Steinmanufaktur verfügt über eine Datenbank mit Materialien aus aller Welt. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen zu einem der führenden Verarbeiter für Naturstein und Großkeramik in Westfalen entwickelt. Neben Privatkunden zählen viele Küchenstudios, Ladenbauer, Tischlereien, Fliesenleger und Baugeschäfte zu seinen Kunden. Ein Badezimmer von Jauer aus Natursteinen wurde erst kürzlich von der BATH ACADEMY EUROPE als Bad des Jahres 2019 ausgezeichnet.

 

Tischlermeister Karl-Heinz Holste pachtete am 1. Januar 2013 die Tischlerei Vogt in Rheda-Wiedenbrück und wagte damit den Schritt in die Selbstständigkeit. Holste modernisierte das Traditionsunternehmen, erneuerte den Maschinenpark, brachte CNC-Maschinen zum Einsatz und stellte zusätzliches Personal ein. Am 1. September 2017 erfolgte der Umzug in eine neue Betriebsstätte. Die Tischlerei Holste fertigt individuell hergestellte Einzelmöbel, stattet aber auch Kindergärten und Arztpraxen aus und arbeitet als Zulieferer für die Industrie. Für seine Gründungsleistung wurde Karl-Heinz Holste bereits als Top-Gründer im Handwerk 2016 ausgezeichnet, wurde für den Gründerpreis NRW 2017 nominiert und erreichte einen Platz unter den zehn Besten. Die Fachjury der Stiftung Zukunftspreis Handwerk Ostwestfalen-Lippe beeindruckte die Vervierfachung des Personals sowie die Modernisierungs- und die Digitalisierungsleistung.

 


(v.l.) Jürgen Sautmann, Hauptgeschäftsführer der KH Bielefeld, Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Augenoptikermeisterin Lara Tilleke, Gregor Moss, Vertreter des Oberbürgermeisters, und Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer
(v.l. vorne) Zimmerermeister Eugen Penner, Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer, Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Dirk Langert, IKK classic, Martin Lang, Obermeister der Dachdecker- und Zimmerer-Innung, (v.l. oben) Gregor Moss, Vertreter des Oberbürgermeisters, und Philipp Fischer, Signal Iduna
(v.l.) Philipp Fischer, Gebietsdirektor Signal Iduna, Lars Jauer, Steinmetz- und Steinbildhauermeister, Gregor Moss, Vertreter des Oberbürgermeisters, Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer und Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer
(v.l.) Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Tischlermeister Karl-Heinz Holste, Präsidentin Lena Strothmann, Jürgen Soetebier, Obermeister der Tischler-Innung Gütersloher und der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Rheda-Wiedenbrück, Norbert Flaskamp