20-11-2020-Lang

Bautätigkeit wird ausgebremst

Martin Lang fordert mehr Rücksicht für die Belange von Handwerksunternehmen.
Martin Lang ist auch Mitglied im Wirtschaftsförderungsausschuss der Handwerkskammer. Der Ausschuss setzt sich für einen Abbau der bürokratischen Belastungen ein. 

"Der Blick durch die Handwerksbrille fehlt“, erklärt Martin Lang, stellvertretender Bielefelder Kreishandwerksmeister. Der 47-jährige Handwerksunternehmer führt gemeinsam mit seinem Bruder Christian die Lutz Lang GmbH & Co. KG – Meisterbetrieb für Dächer in Bielefeld mit insgesamt 24 Mitarbeitenden. Viele Auflagen berücksichtigen seiner Auffassung nach nicht die Belange von kleinen und mittelständischen Handwerksunternehmen.

 

Sein Fachbetrieb läuft gut, die Aufträge kommen rein. Ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Arbeitszeit jedoch ist mit der Erfüllung von bürokratischen Auflagen und Dokumentationen gebunden. Dacharbeiten in der Bielefelder Innenstadt entwickeln sich immer mehr zu einer logistischen Herausforderung. Nachdem sich die Fahrzeuge durch den schleppenden Verkehr gekämpft haben, muss der Transporter anhalten, um zu entladen.

 

Das ist jetzt schon schwierig genug, aber es bahnt sich eine noch kompliziertere Gesetzeslage an: Die überarbeitete Straßenverkehrsordnung sieht demnächst ausgeweitete Halteverbote vor. Gegen diesen „Bremsklotz der Bautätigkeit“ gehen derzeit die Verbände vor. „Das Halteverbot kann aufgehoben werden, wenn wir bei der Stadt die Einrichtung einer Baustelle beantragen, das kostet Zeit und viel Geld“, so Lang. Über die Handwerkskammer und die Kreishandwerkerschaft setzt sich das Bielefelder Handwerk darüber hinaus für Serviceparkplätze ein, damit die Fahrzeuge nach dem Entladen und während der Arbeitszeit überhaupt abgestellt werden können.

 

Mit mäßigem Verständnis blickt Martin Lang auch auf die Vorgaben und Dokumentationspflichten für die Müllentsorgung. Er selbst ist ein umweltbewusster Mensch und trägt mit den Dachmodernisierungsarbeiten, die sein Team durchführt, in nicht unbeträchtlichem Maße zur Energiewende bei. In unzähligen Containern sammelt der Fachbetrieb Abfall. Bauschutt, Bitumen, Dämmmaterial, Holz, Metall, Glas, Bioabfälle und Restmüll werden gewogen und dokumentiert, pro Baustelle und nochmal insgesamt. Der Fachentsorger, der die Container entleert, wiegt und dokumentiert ebenfalls, das ist doppelte Arbeit. „Teilweise wird zuvor sorgfältig getrennter Müll anschließend zusammen in der Müllverbrennungsanlage vernichtet“, so Lang. Er betont, dass gerade die Klein- und Mittelbetriebe des Handwerks mit der Vielzahl bürokratischer Maßnahmen überfordert sind, dazu zählen nach seiner Einschätzung unter anderem Datenschutz, Hygieneauflagen, Statistikpflichten. Der damit verbundene Verwaltungsaufwand und die Kosten führten dazu, dass immer mehr Betriebe aufgeben.

 

Der Handwerksunternehmer begrüßt, dass die elektronische Vergabe von Aufträgen in allen Behörden durchgeführt wird. Bei der Stadt Bielefeld müssen seinen Angaben nach die Angebote der Handwerksunternehmen noch auf herkömmlichem Wege, also als Papierfassung, eingereicht werden. Insgesamt wünscht sich der Unternehmer von einigen Behörden etwas mehr Entgegenkommen, wenn kurzfristig praktische Lösungen gefragt sind. Vor allem die Stadt Bielefeld dürfe die Bedürfnisse von Wirtschaftsunternehmen nicht aus den Augen verlieren. Dafür sei auch mehr Offenheit für zeitsparende digitale Verfahren erforderlich. Als zeitaufwändig betrachtet er auch die regelmäßigen Abfragen der statistischen Landesämter. Die Angaben seien natürlich notwendig, so Lang, allerdings lägen viele der abgefragten Fakten den Finanzämtern schon vor. Und ein letzter Punkt ist ihm wichtig: „Die Einführung einer Bauvorlagenberechtigung für Betriebe des Bau- und Ausbauhandwerks auch in NRW würde allen Beteiligten Zeit und Geld sparen.“