23-04-2018

Bürokratie als Wachstumsbremse

Der sprichwörtliche „goldene Boden“ des Handwerks glänzt auch in Ostwestfalen-Lippe wie lange nicht mehr.
Die Bürokratiebelastungen für die Handwerksunternehmen nehmen immens zu, erklärte Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer

Der bislang stärkste Konjunkturzyklus des regionalen Handwerks seit 40 Jahren startet ins neunte Jahr und markiert in diesem Frühjahr neue Rekordmarken: 60 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 35 Prozent als zufriedenstellend und nur noch 5 Prozent sind unzufrieden.

„Die Handwerksunternehmen aus Ostwestfalen-Lippe stehen in einer Zeit des digitalen Wandels äußerst erfolgreich da“, betonte Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer OWL, am Montag im Campus Campus Handwerk in Bielefeld.  43 Prozent der Betriebe erwarten im nächsten Halbjahr eine bessere und 54 Prozent eine unveränderte Geschäftslage, lediglich 3 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Der Geschäftsklimaindikator (GKI) steigt damit in diesem Frühjahr auf einen neuen Rekordwert von 147 Punkten, ein deutliches Plus von 7 Punkten zum Vorjahreswert. Der GKI bündelt als konjunktureller Leitindikator die aktuelle Lagebewertung der Handwerksunternehmen und deren Erwartungen bis zum Herbst 2018.

Prägend für den konjunkturellen Höhenflug sind vornehmlich die handwerklichen Bau- und Ausbauberufe, die weiterhin sehr stark vom anhaltenden Bau- und Immobilienboom profitieren. Die Berufsgruppe „Gewerblicher Bedarf“ partizipiert als Ausrüster und Zulieferer der Industrie weiter an den Exporterfolgen der deutschen Wirtschaft und zeigt sich robust gegenüber den globalen konjunkturellen Risiken. Insgesamt ist deshalb für das OWL-Handwerk in 2018 eine stabile geschäftliche Entwicklung auf hohem Niveau zu erwarten.

Große Sorgen bereitet den Handwerksbetrieben nicht nur der extreme Fachkräftemangel in vielen Branchen, sondern die überbordende Bürokratiebelastung durch viele neue Melde- und Dokumentationspflichten. Themen wie die Gewerbeabfallverordnung, die neue Datenschutz-Grundverordnung DGSVO oder neue steuerliche Pflichten (GoBD, Tax Compliance) bewirken, dass sich viele Handwerker derzeit mehr um Bürokratie kümmern müssen als um ihre Kunden und Aufträge.

„Für die Klein- und Mittelbetriebe des Handwerks wird aktuell jedes zumutbare Maß überschritten, und auch der Generationswechsel im Handwerk wird durch die Bürokratiebelastung massiv gefährdet“, erklärte Präsidentin Strothmann. Es sei das Gebot der Stunde, schnell an konkreten Maßnahmen zur Reduktion der Belastungen, Vorschriften und Kontrollen zu arbeiten.