05-09-2018

eCross startet in Bielefeld

Moblität: In der Diskussionrunde im Campus Handwerk fordern die Teilnehmer neue Verkehrskonzepte und den Ausbau des öffentlichen Verkehrssystems
 
(v.l.) Organisator Jens Ohlemeyer, Chefredakteur, Franz W. Rother, Rallye-Fahrerin Jutta Kleinschmidt, stellvertretender Kammerchef Wolfgang Borgert, Entwickler Ralf Rohrbach, Sarah Bicker von moBiel, Politiker Jens Julkowski-Keppler, Professor Dr. Lothar Budde, Christian Kracht von den Stadtwerken und Surfer Klaas Voget

Gute Stimmung auf dem Campus Handwerk: Vor dem zweiten Wertungslauf der e-Cross Germany trafen sich Organisatoren, Fahrer und Gäste auf dem Gelände der Handwerkskammer OWL in Bielefeld. Die Rallye-Dakar-Siegerin Jutta Kleinschmidt nahm zum zweiten Mal im Werksteam "Retrokäfer" teil, einem elektrifizierten historischen VW Käfer. Die studierte Physikerin sieht die Elektrofahrzeuge nicht nur im Straßenverkehr sondern auch im Rennsport als "ernstzunehmende und nachhaltige" Alternative. Zweiter "Promifahrer" war Klaas Voget, einer der besten Windsurfer Deutschlands.
 
Vor dem Start hatte Jens Ohlemeyer, Tour Manager und Geschäftsführer der e-Cross Germany, in Zusammenarbeit mit dem Chefredakteur des Fachmagazins für Elektromobilität "Edison", Franz W. Rother, zu einer Talkrunde unter dem Thema "City-Logistik in Zeiten von Feinstaubalarm und Dieselfrust" in den Campus Handwerk eingeladen. Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, begrüßte die Gäste und die Podiumsteilnehmer, zu denen auch Sarah Bicker von moBiel, Christian Kracht von den Stadtwerken, Jens Julkowski-Keppler, Fraktionsvorsitzender von Bündnis90/ Die Grünen im Rat der Stadt Bielefeld, Professor Dr. Lothar Budde von der Fachhochschule Bielefeld und Ralf Rohrbach, Mit-entwickler des Bakery Vehicle 1, gehörten.

Borgert sieht die Elektromobilität als bedeutendes Zukunftsthema auch für das Handwerk. Das schnellere Voranbringen sei für den Erhalt von Arbeitsplätzen in der deutschen Automobilindustrie und bei den handwerklichen Zulieferbetrieben von großer Bedeutung, gerade angesichts der von China angestrebten globalen Marktführerschaft in dieser Technologie. Mittlerweile befassten sich auch in OWL immer mehr Handwerker mit der Frage, wie sich die eMobilität stärker in ihrem Fuhrpark nutzen lasse, so Borgert Aber neben der Verfügbarkeit der Fahrzeuge sei auch die Sicherstellung der Stromversorgung schon für eine kleinere Lieferflotte eine komplexe Herausforderung. Ein größerer Umstieg auf die eMobilität sei nach Einschätzung des Kammerexperten wohl nur mittel- bis langfristig möglich. Die deutsche Industrie warne bereits deutlich vor einer dramatischen Rohstoffknappheit für die Herstellung der Batterien: "Die Abhängigkeit vom Öl, die wir reduzieren wollen, wird also durch eine neue Abhängigkeit von seltenen Erden & Co. ersetzt", erklärte Borgert.

Die Handwerkskammer verfüge über zwei E-Fahrzeuge als Dienstwagen. Damit wolle die Kammer bewusst auch einen eigenen positiven Beitrag für die Luftqualität in der Bielefelder Innenstadt leisten. Der passionierte Fahrradfahrer forderte für Bielefeld ein neues Verkehrskonzept mit separatem Radwegenetz.

Professor Budde sprach sich genau wie Borgert ausdrücklich für ein Gesamtkonzept aus, bei dem die Elektromobilität ein entscheidender Faktor sei. Derzeit, erklärte der Professor, würde auf ausgewählten, nicht genutzten Bahnstecken das geräuscharme und autonome Fahren von Zügen getestet. Einig waren sich alle Podiumsteilnehmer, dass der öffentliche Nahverkehr ausgebaut und verbessert werden müsse. Auch viele der 80.000 Einpendler, die einen Großteil des Individualverkehrs in Bielefeld ausmachen, würden bei attraktiven Verbindungen Park & Ride-Angebote nutzen. Ralf Rohrbach berichtete von der "Selbsthilfegruppe", die sich um die Hildener Bäckerei Schüren gegründet hat. Das Ziel, einen elektrifizierten 3,5-Tonner mit genügend Reichweite zu entwickeln, wurde erreicht. Ergebnis ist das Bakery Vehicle 1, produziert von StreetScooter.

Organisator Jens Ohlemeyer erklärte, dass er selbst kein eigenes Auto besitze, sondern mit dem Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln und Carsharing sehr gut zurechtkomme.