12-06-2018

Handeln statt Jammern: Fachkräftemangel bekämpfen Chancen für Nachwuchs im Handwerk

Muss nach dem Abitur immer ein Hochschulstudium folgen? Bietet das Handwerk Alternativen? Bei einem Treffen der Mittelstands- und Wirtschafsvereinigung (MIT) CDU/ CSU am Campus Handwerk wurden diese und weitere Themen diskutiert.

Die Referenten und Diskussionspartner Lena Strothmann (Mitte), Präsidentin der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld und ehemalige, langjährige Bielefelder CDU-Bundestagsabgeordnete, Dilek Güzel (1. v.r.), Leiterin der Abteilung Kommunikation der Handwerkskammer, Torsten Finke (3.v.l.), Obermeister der Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Bielefeld und Roland Willrich (2. v.r.), Stellvertretender Leiter des Bildungszentrums der Handwerkskammer OWL.

Muss nach dem Abitur immer ein Hochschulstudium folgen? Mittlerweile lässt sich zunehmend ein Trend zur Akademisierung feststellen. Zeitgleich verursacht der Fachkräftemangel der deutschen Wirtschaft seit Jahren Sorgen. Alternativ zum Studium bietet das Handwerk auch Chancen für glückliche Lebensentwürfe, gute Karriere- und Einkommenschancen, die akademischen Laufbahnen gleichwertig sind.

 

Bei einem Treffen der Mittelstands- und Wirtschafsvereinigung (MIT) CDU/ CSU am Campus Handwerk wurden diese und weitere Themen diskutiert. Gesprächspartner und Referenten des Hauses waren Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld und ehemalige, langjährige Bielefelder CDU-Bundestagsabgeordnete, Dilek Güzel, Leiterin der Abteilung Kommunikation der Handwerkskammer, Torsten Finke, Obermeister der Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Bielefeld und Roland Willrich, Stellvertretender Leiter des Bildungszentrums der Handwerkskammer OWL.

 

"Im Handwerk herrscht ein Nachwuchs- und Fachkräftemangel, der schon länger bekannt ist und aller Voraussicht nach auch eines der wesentlichen Zukunftsthemen bleiben wird", Mit diesen Worten leitete Präsidentin Lena Strothmann die Diskussionsrunde ein. Seit 2008 sei das Lehrstellenangebot kontinuierlich größer als die Nachfrage - der Zuwachs der deutschlandweiten Stellenanzeigen für Handwerksberufe habe allein in den letzten zwei Jahren fast 50 Prozent betragen. Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze habe sich jedoch im Vergleich zum Jahr 2010 um knapp sechs Prozent erhöht.

 

"Bundesweit sind im Handwerk knapp 30.000 Stellen unbesetzt ", resümierte Strothmann. Aus diesem Grund müsse ein Paradigmenwechsel und ein neues Bildungsverständnis hervorgerufen werden. Um diesen Anforderungen zu entsprechen, würden seit einigen Jahren aktiv Gegenmaßnahmen auf Bundes- und auf regionaler Ebene forciert. Die Imagekampagne des Deutschen Handwerks setze sich mit Imagefilmen und zielgruppengerechten Botschaften bewusst dafür ein, Jugendliche und ihre Eltern auf emotionaler Ebene zu erreichen.

 

Aber auch der Campus Handwerk sei ein erster Schritt zur Bekämpfung des Fachkräftemangels, denn: "Er ist zentraler Baustein der Strategie, den Bedarf an Fachkräften im Handwerk zu decken", so Strothmann weiter.

 

Trotz der Unternehmungen der Handwerkskammer und der Imagekampagne des Deutschen Handwerks äußerten einige Mitglieder des MIT ganz offen ihre Bedenken. Wichtig sei es nach Meinung der Mitglieder vor allem, bei den Lehrkräften in Schulen ein Umdenken zu fordern, da die Meinung der heutigen Jugendlichen überwiegend von den Eltern und Lehrern beeinflusst werde. Gerade in der gymnasialen Oberstufe werde häufig geäußert, dass nach dem Abitur der einzig richtige Weg in ein Studium führen würde. Weiterhin waren sich die Mitglieder im Konsens darin, dass eine Meisterprüfung ebenso wenig kostenpflichtig wie der Abschluss eines Studiums sein sollte. In der Finanzierung eines höheren Abschlusses wie zum Beispiel der Meisterprüfung sahen die Mitglieder der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung die größte Hürde. Viele kleinere Handwerksbetriebe könnten es sich nicht leisten, ihre Lehrlinge monetär zu unterstützen, gleichzeitig sei der Kostenfaktor einer sich an die Lehre anschließenden Meisterprüfung für viele Lehrlinge zu hoch. "Hier müssen wir einen Schritt auf die SPD zugehen, die sich bereits zu einer kostenfreien Meisterprüfung geäußert hat", zog Stojan Kamburow, Vorsitzender des Kreisverbandes Bielefeld der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU NRW als Fazit der MIT-Sitzung.