07-10-2020

Handwerk trotzt Corona

Konjunktur-Umfrage: Die Bau- und Ausbauhandwerke bleiben stark.
(v.l.) Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, und Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer

„Das Handwerk trotzt der Corona-Pandemie auf recht breiter Front, aber die Lage ist weiterhin herausfordernd“, erklärte der Präsident der Handwerkskammer OWL, Peter Eul, bei der Bekanntgabe der Konjunkturdaten im Campus Handwerk in Bielefeld. Der bislang stärkste Konjunkturzyklus des ostwestfälisch-lippischen Handwerks von zehn Jahren sei allerdings abrupt unterbrochen. 

 

 „Mit einem Konjunkturklima-Indikator von 122 Punkten bewegen wir uns aber vergleichsweise auf einem guten Niveau“, betonte Eul. Im letzten Herbst waren es 134 Punkte. Mit 53 Prozent bewertet mehr als die Hälfte der Handwerksbetriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut und 34 Prozent sind zufrieden. „Das zeigt, dass sich die Geschäftslage im OWL-Handwerk stabilisiert hat“, so Eul.  Allerdings könne keine allgemeingültige Aussage über die Handwerkskonjunktur in der Region getroffen werden. „Deutliche konjunkturelle Bremsspuren und eine ausgeprägt unterschiedliche Dynamik zeigen sich auch innerhalb der einzelnen Branchengruppen des Handwerks“, ergänzte Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. 

  

Der Pandemie erfolgreich getrotzt haben vor allem das Bau- und das Ausbaugewerbe. Im Bauhauptgewerbe melden 67 Prozent (Herbst 2019: 66 Prozent) eine gute Geschäftslage und nur drei Prozent eine schlechte, die Zukunftserwartungen sind aber spürbar gedämpft. „Angesichts dünnerer Auftragsbücher appellieren wir auch an die Kommunen, jetzt zügig Aufträge zu vergeben und Baugenehmigungen schneller zu erteilen“, erklärte Borgert. Notwendig sei eine schnelle Digitalisierungsoffensive der kommunalen Behörden, vor allem der Bauämter und der Kfz-Zulassungsstellen.

 

Auch die handwerklichen Ausbauberufe profitieren vom laufenden Immobilienboom, hier melden ebenfalls 67 Prozent der Betriebe eine gute Geschäftslage (Herbst 2019: 71 Prozent). Bei den Zukunftserwartungen hingegen ist der Optimismus etwas ausgeprägter als in den Bauberufen: 20 Prozent der befragten Betriebe erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage.  

 

Betroffen von einem unsicheren Weltmarkt und einer sich umstrukturierenden Autoindustrie sind die handwerklichen Zulieferer. Immerhin melden noch 48 Prozent (Vorjahr 54 Prozent) eine gute Geschäftslage. Viele Unternehmen in dieser Branche trotzen der Krise, aber die Zahl der Negativmeldungen bei Umsätzen und Aufträgen hat ebenfalls zugenommen. Auch das Kfz-Handwerk ist von den Umstrukturierungen der Autoindustrie und der Verunsicherung der Verbraucherinnen und Verbraucher stark betroffen. Handwerke mit Ladengeschäft, seien es die Lebensmittelhandwerke, die Gesundheitshandwerke oder die Handwerke für den privaten Bedarf wie Friseure, mussten vor allem durch den Lockdown teils massive Einbußen hinnehmen. 

  

Klarer Indikator für die Verunsicherung vieler Betriebe ist das relativ schwache Investitionsklima von 94 Punkten, im letzten Herbst waren es 111 Punkte. Immerhin meldeten jedoch 22 Prozent der Unternehmen gestiegene und 50 Prozent gleichgebliebene Investitionen. Diese Haltung spiegele sich auch in den Zukunftserwartungen der Betriebe, was ihre Geschäftslage betrifft: 22 Prozent erwarten eine bessere Geschäftslage und 61 Prozent eine gleichbleibende. Die durchschnittliche Auftragsweite ist von 9,7 Wochen im Herbst 2019 auf 7,9 Wochen gefallen. „Handwerkerinnen und Handwerker sind auch in Corona-Zeiten gefragt“, betonte Eul. Die Beschäftigungslage sei mit einem Indikator von 102 Punkten relativ ausgeglichen. Im OWL-Handwerk gibt es derzeit laut Umfrage 10.600 offene Stellen, das sind nur rund 900 weniger als vor Jahresfrist. Gesucht werden 7.300 Fachkräfte, 2.800 Hilfskräfte und 500 Auszubildende.

 

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