14-10-2020

Handwerk und Psychologie

Andreas Werner startet als Bestattungsfachkraft im Bestattungshaus Sauerbier durch.
(v.l.) Für Bestattermeister und Unternehmer Dieter Sauerbier und seinen Mitarbeiter Andreas Werner nimmt das Thema Beratung einen immer größeren Raum ein

Viele Auszubildenden zur Bestattungsfachkraft im Bürener Bestattungshaus hatten bisher Abitur. Seine Auszubildenden kann sich Bestattermeister Dieter Sauerbier, Inhaber des Dieter Sauerbier Bestattungshauses, aussuchen. Andreas Werner, der in diesem Jahr seine Lehre abgeschlossen hat, hatte ein Einser-Abitur geschafft. Auch während seiner Ausbildung blieb Werner auf der Erfolgsspur: Seine Prüfung zur Bestattungsfachkraft hat er im Bundesausbildungszentrum in Münnerstadt als Bundesbester abgelegt. Im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW) hat Werner den Titel Kammersieger erreicht und kämpft im nächsten Schritt um den Titel Landessieger.     

 

Dass sich Andreas Werner mit seinem tollen Abitur für eine Lehre entschied, konnten zunächst nicht alle verstehen. „Ein Psychologiestudium hätte mich interessiert, aber nur theoretisch zu arbeiten, das war es einfach nicht“, erklärt der junge Mann. Handwerkliches Arbeiten und einfühlsame Gespräche, die psychologisches Wissen verlangen, diese Kombination gefiel Andreas Werner. Seinen Beruf und seinen Arbeitgeber hatte er während eines Praktikums kennengelernt. „Empathie, Motivation und Leidenschaft“, das sind die entscheidenden Einstellungsfaktoren für Dieter Sauerbier. Der erfolgreiche Unternehmer, der drei weitere Niederlassungen aufgebaut hat, engagiert sich in seinem Verband ehrenamtlich, unter anderem als Prüfer. „Wer respektvoll mit Menschen umgeht, wird auch in schwierigen Situationen die richtigen Worte finden“, so der Bestattermeister. Der Unternehmer ist selbst Quereinsteiger in dem fordernden Beruf. Sauerbier hatte zunächst das Tischlerhandwerk erlernt. Schließlich war er Beamter auf Lebenszeit bei der Feuerwehr. Doch der Berufswunsch „Bestatter“, den er schon als Jugendlicher hatte, ließ ihn nicht los.

 

„Es wird vielfach unterschätzt, wie umfänglich unser Berufsbild ist“, erklärt die frischgebackene Bestattungsfachkraft Andreas Werner. Der Bürener schätzt den handwerklichen Teil seines Berufes. Der Sarg muss vorbereitet und ausgeschlagen werden, der Verstorbene wird bekleidet und eingesargt, der Trauerraum wird hergerichtet, die Zeremonie vorbereitet. Einen herausragenden Teil seiner Arbeit nehme aber die Betreuung der Angehörigen ein. „Ein Trauerbegleiter muss intuitiv ein Gefühl für die Angehörigen entwickeln und in der jeweiligen Situation entsprechende Hilfe anbieten“, betont Werner. Es bedürfe aber intensiver Schulungen, um die richtigen Worte zu finden, solche Gespräche nicht zu sehr an sich herankommen zu lassen und inneren Abstand zu wahren. Sein Chef stimmt ihm zu, der Beruf habe sich in letzten 20 Jahren massiv gewandelt. Der Beratungsanteil habe stetig zugenommen. Für sein Bestattungshaus in Paderborn wird er zusätzlich eine ausgebildete Trauerpsychologin einstellen.     

 

Andreas Werner hält noch Kontakt zu seinen ehemaligen Mitschülern. Gerade war eine Truppe in der Schweiz auf dem Jakobsweg wandern. „Super Gespräche, ein toller Austausch und ein gutes Miteinander“, schwärmt Werner. „Man muss offen sein und das Leben genießen“, davon ist er überzeugt. „Obwohl es natürlich einfacher ist zu trösten, wenn man glaubt, nach dem Tod kommt noch etwas“, so Werner. Zunächst möchte er als Bestattungsfachkraft weiter Berufserfahrungen sammeln und sich natürlich weiterbilden. „Den Meistertitel im Bestatter-Handwerk erwerben, das wäre schon was“, so der junge Mann.