09-10-2020

Nachhaltigkeit - Holz- und Wandfarbe 4Elemente

Tischlermeister Udo Knake setzt auf „Glokalisierung“.
Tischlermeister Udo Knake mischt die Farben auf völlig ökologischer Basis    

Tischlermeister Udo Knake zählt zu den Handwerkern, die die Welt immer ein bisschen besser machen möchten. Neben handwerklicher Perfektion liegt ihm das Thema Nachhaltigkeit am Herzen. „Ich brenne für das Tischler-Handwerk“, erklärt der Handwerksunternehmer, der die Herforder Tischler-Innung gemeinsam mit Matthias Hempelmann und Heiko Bahls als Obermeisterteam leitet. Es war jedoch Liebe auf den zweiten Blick. Parallel zu seiner Ausbildung zum Tischler betätigte sich Knake als freier Journalist. Schließlich entschied er sich für das Handwerk und trat 1989 in das väterliche Unternehmen, die Werner Knake GmbH & Co. KG Möbel in Herford, ein. Dem Schreiben blieb er treu, indem er die Pressearbeit für die Innung erledigt. Erfindungen und Neuentwicklungen prägen sein berufliches Schaffen. Teilweise arbeitet er dafür mit seinem Innungskollegen Heiko Bahls zusammen, teilweise mit Kollegen aus der eigenen Tischlerei.

 


Die neueste Entwicklung ist die Holz- und Wandfarbe „4Elemente“. Die vier Elemente sind Erde, Wasser, Feuer und Luft. Als Zutaten verwendet Knake Materialien und Produktionsreste von seinem Betriebsgelände. Für das Element Erde nimmt er den lehmhaltigen Boden seines Geländes, das Wasser entstammt einer Regentonne, für Feuer steht die Asche, die durch die Verbrennung von Schnittresten entsteht, oder einfach Reste von Grillkohle, die übrigbleiben. Das Element Luft wird durch einen handelsüblichen Vakuummixer beim Vermischen der Bestandteile erzeugt. Durch den lehmhaltigen Boden und die Verbrennungsreste entsteht ein warmer Braunton, der variiert werden kann. „Die Farbe kommt gänzlich ohne Lösemittel und synthetisch hergestellte Pigmente aus“, betont Tischlermeister Knake. Sie lässt sich mit einem getränkten Lappen oder Quast auftragen und wird „just-in-time“, also wenn benötigt, gefertigt. Die Optik der Holzflächen wirkt rustikal, aber modern. Die Rückbesinnung auf vorhandene Ressourcen und lokale Besonderheiten wie den Lehmboden bringt neue Impulse zur Weiterentwicklung klimafreundlicher Arbeitsmaterialien und -verfahren. „Die lokale Herstellung der 4Elemente-Farbe passt gut in den Trend der Glokaliserung“, erklärt Knake, „lange Transportwege werden vermieden, und das Produkt ist zukunftsgerichtet.“ Die Entwicklung hatte der Unternehmer beim Wettbewerb „Bundespreis  Ecodesign“ eingereicht. Udo Knake, der auch Betriebswirt des Handwerks ist, hat schon reichlich Wettbewerbserfahrungen gesammelt: Insgesamt hat er drei Designpreise gewonnen, den amerikanischen Green Good Design Award für nachhaltige Badmöbel aus Bambus, eine Auszeichnung mit dem iF Material Design Award und einen Red Dot Award für einen mit Heiko Bahls entwickelten Liegestuhl sowie weitere Nominierungen.

 


Innovationen gehören für die Herforder Tischlermeister einfach dazu. Sein Unternehmen ist hauptsächlich Zulieferer für lokale Küchenmöbelhersteller. Dafür hält er seine Fertigung stets auf dem aktuellen technischen Stand mit beispielsweise einem CNC-Bearbeitungszentrum und einer UV-Lackieranlage.
Neben dem „Erfinden“ gehört die Jugendarbeit der Innung zu den Arbeitsgebieten, in die Knake viel Energie investiert. Derzeit bildet er einen jungen Mann zum Tischlergesellen aus. Innerhalb der Herforder Innung ist die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen größer als das Angebot. „Wir haben ein super Netzwerk“, erklärt Knake.