25-09-2020

Wertschätzung für handwerklich hergestellte Produkte

Die Fleischerei Brilon setzt sich für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion ein.
(v.l.) Manuel Rüther, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg, Fleischermeister Alfred Brilon und Ehefrau Frauke Brilon, die die Verkaufsleitung inne hat, setzen sich auch mit der Unterschriftenaktion für das Fleischerhandwerk ein

Fleischermeister Alfred Brilon setzt auf Regionalität und einen bewussten Umgang mit dem Nahrungsmittel Fleisch. Der Obermeister der Fleischer-Innung Höxter-Warburg arbeitet mit ausgewählten heimischen Landwirten zusammen. Sechs bis sieben Schweine schlachtet er in der Woche und alle drei Wochen ein Rind. Das Fleisch wird direkt in seinem Betrieb in Borgentreich verarbeitet: Ein Teil der Ware wird zugeschnitten und frisch im eigenen Ladengeschäft angeboten, ein weiterer Teil wird verarbeitet. Die Rezepte für Wurstwaren, Eintöpfe im Glas oder den Partyservice sind traditionelle Familienrezepte, die sich weit über Borgentreich hinaus einer großen Beliebtheit erfreuen.

 

Bei der Europameisterschaft handwerklich hergestellter Wurst- und Schinkenprodukte in den Niederlanden erhielt Brilon 2018 für seine Hausmachermettwurst und seinen Knochenschinken die volle Punktzahl und somit Gold. In der Kategorie Schinken konnte er sich gegen alle deutschen Konkurrenten durchsetzen und erreichte schließlich den Nationalen Ehrenpreis.

 

Der Obermeister der Fleischer-Innung Höxter-Warburg verwendet bei seinen Produkten keine künstlichen Zusatzstoffe und Aromen. „Unsere Waren sind laktose- und glutenfrei“, erklärt der Fleischermeister, „mit Zusatzprodukten verlängerte Waren“ gibt es bei ihm nicht. „Es wird wieder viel über die Nachhaltigkeit und hochwertiges Essen gesprochen“, freut sich Brilon, dahingehend habe sich die Aufklärungsarbeit unter anderem der Fleischer-Innungen bezahlt gemacht. Auch durch die Corona-Pandemie seien die Konsumenten bewusster geworden. Es sei wichtig, dass handwerklich gefertigte Lebensmittel die Wertschätzung bekommen, die sie verdienen, stimmt ihm auch seine Ehefrau Frauke zu, die für den Verkauf und den Partyservice verantwortlich ist.      

 

Beim Grillen beispielsweise sei gutes Fleisch wieder gefragt. Das Ehepaar selbst bietet Grillabende mit einem BBQ Smoker an. Den ersten hatte Brilon 1996 aus den USA mitgebracht. Der aktuelle Smoker mit satten fünf Quadratmetern Grillfläche ist auf einen Anhänger montiert. Auf den Grill kommt bei Alfred Brilon nur sein eigenes Fleisch von bester Qualität.   

 

Um den Trend zu heimischen und hochwertigen Fleischprodukten zu stärken, hat die Nationalmannschaft des deutschen Fleischer-Handwerks eine Unterschriftenaktion angestoßen. Die Liste liegt auch in der Fleischerei Brilon aus. Fleißig sammelt Frauke Brilon im Verkauf die Unterschriften ihrer Stammkunden. „Die Marktbedingungen sind nicht fair“, betont Dominik Rüther, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg. Kleine und mittlere Betriebe würden gegenüber Großschlachtereien massiv benachteiligt. Bei den Gebühren für die Fleischuntersuchung und die Abfallentsorgung gelten Staffelgebühren, das heißt, der Preis sinkt, wenn die Menge wächst. Sparen können Großschlachtereien auch bei den Energiegebühren, da sie häufig von der Abgabe für erneuerbare Energien befreit sind. Auch die bürokratischen Auflagen und Dokumentationspflichten orientieren sich an den Abläufen in Großbetrieben. „Die vielen Unterschriften zeigen uns, dass unsere Kunden unsere Produkte wertschätzen“, freut sich Frauke Brilon.

 

„Um das handwerkliche Fleischerhandwerk langfristig zu erhalten und sogar wieder auszubauen, müssen noch dicke Bretter gebohrt werden“, betont Geschäftsführer Rüther und spricht auch die Ausbildungssituation an. Berufsschulklassen sollten beispielsweise auch mit weniger als 16 Schülern möglich sein. „Für einen Aufwind im Fleischerhandwerk brauchen wir attraktive Rahmenbedingungen für unsere Nachwuchskräfte“, stimmt ihm Obermeister Brilon zu.