08-10-2019

Zeit und Kosten exakt im Blick

Die Fachwerkstatt Drücker aus Rietberg setzt auf 3-D-Messverfahren.

(v.l.) Fynn Röttger, Wellmann Anlagentechnik GmbH (Halle), Christiane Hoffmann, Leiterin des Museums Wiedenbrücker Schule, Matthias Vinnemeier, pro Wirtschaft GT, Birgit Kostner und Firmeninhaber Erasmus Drücker, Fachwerkstatt Drücker GmbH (Rietberg)


Die Vermessung von Gebäuden erfolgt immer häufiger digital. Mit 3-D-Lasergeräten werden Raumpunkte erfasst - aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Die Geräte arbeiten millimetergenau, in einer Sekunde werden eine Millionen Messpunkte gescannt. Ein Raum, eine Produktionshalle oder ein ganzes Gebäude können so durchgemessen werden. Ein digitales Aufmaß wird nur einmal gemacht, Nachmessen durch die einzelnen Gewerke ist nicht erforderlich. Das spart Zeit. Die Messpunktwolke beziehungsweise die Orthofotos des Scanners können für alle Baubeteiligten online zugänglich gemacht werden und ermöglichen somit ein direktes Messen in den Aufnahmen.

 

„Messfehler können ausgeschlossen werden“, erklärte Birgit Kostner. Sie leitet in der Fachwerkstatt Drücker GmbH (Rietberg) den Bereich Digitale Aufmaße und Visualisierung. Bei der Veranstaltung „BIM in der Praxis. Was Handwerk und Industrie verbindet“ der pro Wirtschaft GT im Wiedenbrücker Museum für Kunst- und Stadtgeschichte, begeisterte sie Handwerkerinnen und Handwerker und weitere Interessenten für die 3-D-Verfahren. BIM (Buildung Information Modeling) steht für eine zielgerichtete digitale Weitergabe von Informationen rund um die Errichtung eines Gebäudes. Grundlage dieses Verfahrens sind die exakten Daten, die per Laser, per Multikopter oder ergänzend per Flexijet-Messgerät erfasst werden. 70 Prozent aller Baumaßnahmen geschehen im Bestand. Unregelmäßigkeiten beispielsweise im Fachwerk oder bei der Dachkonstruktion sowie die Beschaffenheit der Bausubstanz, alles wird mit gescannt und kann von den Fachhandwerkern ausgewertet und berücksichtigt werden. Große Überraschungen auf der Baustelle sind somit ausgeschlossen. Kostenkalkulation und Zeitplanung können sehr genau aufgestellt werden.

 

Wichtig für die Zusammenarbeit ist, dass alle beteiligten Gewerke und Planer in 3-D arbeiten können, um somit einen lückenlosen Ablauf der Baustelle garantieren zu können. Eine Pannenbaustelle wie der Berliner Flughafen ist laut Kostner dann nicht möglich. Sie empfahl interessierten Unternehmerinnen und Unternehmern, nach und nach in die BIM-Verfahren einzusteigen. Mittelfristig hilft das Verfahren, nicht nur die Kommunikation der verschiedenen Gewerke untereinander zu erleichtern und enorm Zeit zu sparen, sondern auch eigene interne Arbeitsprozesse wie Einkaufs- oder Baulogistik zu optimieren. Riesige Rechnerkapazitäten sind nicht nötig, da die modellierten 3-D-Modelle eine überschaubare Datengröße haben Bei Neubauvorhaben helfen 3-D-Entwürfe, die Planung aus ganz unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und gegebenenfalls zu variieren. Passt der Lichteinfall, wie sieht es mit den Nachbargebäuden aus? Ein digitales 3-Modell zeigt Bauherren und Investoren genau, wie das Endprodukt aussieht. Ein 3-D-Scan historischer Denkmäler ermöglicht einen Nachbau im Fall, dass das Bauwerk Schaden nimmt. Inzwischen werden Scan-Verfahren auch vor dem Umbau und der Umgestaltung von Produktionshallen in Industrie und Handwerk eingesetzt. Flächen und Abstände können problemlos festgestellt werden, mögliche Kollisionen mit anderen Maschinen oder Geräten ausgeschlossen werden.