22-11-2019

Chancen sehen und ergreifen

Friseurmeisterin Leyla Alptekin hat sich in Bielefeld selbstständig gemacht.
Für Friseurmeisterin Leyla Alptekin ist Kommunikation und Beratung wichtig

Vor fast 25 Jahren kam Leyla Alptekin (40) mit ihrem Bruder nach Deutschland. In Syrien hatte sie als Kurdin kaum Chancen auf Bildung. „Wenn die Leistung stimmt, kannst du in Deutschland alles erreichen“, erklärt die Friseurmeisterin begeistert über ihre neue Heimat. Bisher ist sie noch nicht wieder in ihr Geburtsland gereist. Ihre Eltern leben inzwischen auch in Deutschland, ihre drei Kinder sind hier geboren und wachsen hier auf. Auch die meisten ihrer Landsleute, die später nach Deutschland kamen, geben sich nach Einschätzung von Alptekin große Mühe anzukommen. Dazu gehört auch das Erlernen der deutschen Sprache. „Manchmal zeigen diejenigen, die die Sprache noch nicht so gut beherrschen, besonderen Einsatz bei der Arbeit“, erklärt die engagierte Friseurmeisterin.

 

Als sie ihre Ausbildung zur Friseurin begann, hatte sie schon zwei Kinder und das dritte war unterwegs. Die Lehre hat sie auf zwei Jahre verkürzt und dann sogar als drittbeste abgeschlossen. Nebenbei hatte Leyla Alptekin als Kosmetikerin gearbeitet, das Handwerk hat sie in Syrien im dort üblichen Anlernverfahren erlernt und in Deutschland durch Seminare aufgefrischt und aktualisiert. Das Friseurhandwerk in Kombination mit der Kosmetik ist für sie nicht nur Beruf, sondern Berufung. Alptekin entschloss sich, schnell einen Meisterkurs zu besuchen, die Meisterprüfung abzulegen und sich selbstständig zu machen. Unterstützung fand sie stets bei ihrem Ehemann, der inzwischen das Salonmanagement übernommen hat.

 

Ihre Fähigkeiten fielen der damaligen Meisterausbilderin im Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer, Rita Daumann, sofort auf. Die Handwerkskammer engagierte die junge Frau als Dozentin für Hochsteckfrisuren und Make-up. Den Meistertitel hat Alptekin im Jahr 2012 erworben, 2014 machte sie sich in Bielefeld selbstständig. Unterstützung fand sie bei Stefan Edler, Betriebsberater der Handwerkskammer. Inzwischen beschäftigt sie eine weitere Friseurin, eine Auszubildende und einen jungen Mann, der eine Einstiegsqualifizierung absolviert. Weitere Mitarbeiter sind der Friseurmeisterin willkommen. Doch nicht alle, die sich vorstellen und Probe arbeiten, erfüllen ihren Qualitätsanspruch. „Das Grundwissen muss praktisch und theoretisch sitzen, mehr verlange ich nicht“, erklärt die Handwerksmeisterin. Sie bedauert sehr, dass junge Leute zu sehr auf das tarifliche Ausbildungsgehalt schauen. „Fleißig lernen, gut arbeiten, dann passt das Geld später“, fügt Alptekin an, die gelernt hat, ihre Chancen zu ergreifen und positiv in die Zukunft zu schauen. „Auszubildende bekommen im Gegensatz zu Studierenden immerhin eine Ausbildungsvergütung“, betont sie.

 

Ihr handwerkliches Geschick, das Gefühl für Ästhetik, aber auch ihre Offenheit werden von den Kunden geschätzt. Während die überwiegend deutsche Kundschaft eher dezente Schnitte und Farben bevorzugt, gibt es auch Frauen und Männer anderer Herkunft, die es lieber auffällig mögen. Alptekin berät und erfüllt anschließend den Kundenwunsch. „Friseure sind da, um Menschen glücklich zu machen“, lautet ihre Devise.