06-11-2020

E-Bike ersetzt den Zweitwagen

Durch Corona forciert: Nachfrage nach E-Bikes wächst massiv.

Zweiradmechanikermeister René Teismann präsentiert ein E-Dreirad, das in seinem Unternehmen gefertigt wurde

Seit rund zehn Jahren wächst die Nachfrage nach E-Bikes massiv, erklärt René Teismann, Geschäftsführer der Wulfhorst GmbH, einem traditionellen Fahrradspezialisten aus Gütersloh. Die Corona-Pandemie habe diese Entwicklung noch einmal forciert. Die Menschen seien bewusster in ihrem Handeln geworden.

 

60 Prozent macht inzwischen der Verkauf von E-Bikes bei Wulfhorst aus. Ein weiteres sehr starkes Standbein sind Lastenräder und Spezial-Dreiräder, die sogar über die Grenzen Deutschlands hinaus verkauft werden. Bei allen Rädern hat der Kunde die Wahl zwischen renommierten Markenrädern und hauseigenen Anfertigungen nach Maß. Die größte Rolle spielen die Maßanfertigungen jedoch bei den Drei- und Lastenrädern. Die Dreiräder, vorzugsweise mit E-Antrieb, machen Senioren, die sich inzwischen auf zwei Rädern unsicher führen, und Menschen mit einem speziellen Bedarf flott und unabhängig. Die Lastenräder sind sowohl für Familien als auch für Unternehmen eine umweltfreundliche und praktische Alternative zum Auto, vor allem beim innerstädtischen Verkehr.

  

„Momentan ändert sich die Mobilität massiv“, freut sich der Zweiradmechanikermeister, der das 1915 gegründete Unternehmen zusammen mit seinen Eltern Harald und Elke Teismann leitet. Das Fahrrad habe sich wie einst das Auto zum Statussymbol entwickelt. Kunden, die in das Fachgeschäft kommen, haben häufig ganz exakte Vorstellungen, von ihrem künftigen Gefährt und wissen genau, wie sie es einsetzen möchten. Da die Kunden eine immer bessere Qualität verlangen, werden die Räder auch wertiger. Häufig ersetzt das E-Bike den Zweitwagen. Immer mehr Betriebe bieten ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit, E-Bikes zu leasen. Entsprechend weiten die Firmen die Fläche für gesicherte Fahrradparkplätze aus und sorgen für Lademöglichkeiten. „Hat erst einmal ein Familienmitglied ein E-Bike, ziehen die anderen häufig nach“, erklärt der Experte.

 

„Die Mobilitätskonzepte der Städte müssen sich ändern, der Radverkehr braucht mehr Platz“, fordert der Handwerksmeister. Die Fahrradwege müssen breiter werden. E-Biker möchten durchstarten und schnell ans Ziel kommen und dafür auch mal einen Radler überholen können. Lastenräder können die herkömmlichen schmalen Radspuren kaum nutzen.

 

Die durchdachte und fahrradfreundliche Verkehrsführung sei wichtig für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, so Teismann. Ebenso entscheidend seien aber auch fachgerecht gewartete Fahrräder. „Wir als Meisterbetrieb mit 20 Mitarbeitenden können dafür garantieren, dass alle Räder, die unser Haus verlassen, top instand sind“, betont der Zweiradmechanikermeister

 

 „Die Nachfrage in diesem Sommer hat die Lieferkapazität der Fahrradhersteller überstiegen“, berichtet der Zweiradrexperte. Einige Teile würden den europäischen Herstellern aus China zugeliefert, da habe es Anfang des Jahres schon den ersten Engpass gegeben. Momentan stecken die Hersteller nach Angaben von Teismann den Großteil ihrer Kapazitäten in den Bau von E-Bikes, so dass „normale“ Fahrräder wie City-Räder, Trekkingräder, Mountainbikes oder Rennräder schwierig zu bekommen seien. 

 

Dass sich immer mehr junge Leute für E-Bikes interessieren, führt Teismann auch auf die technischen Möglichkeiten zurück: Bikes und Smartphones können gekoppelt werden - auch per App. Neben der Navigation können auch Fitness-Daten abgefragt und übertragen werden.