30-04-2020

Handwerkliche Ausbildung: Das Ruder gemeinsam herumreißen

Ausbildung braucht gerade in dieser schwierigen Zeit Perspektiven.
(Foto: © www.amh-online.de)

Anlässlich der von der Bundesagentur für Arbeit aktuell bekannt gegebenen Arbeits- und Ausbildungsmarktzahlen im April 2020 erklärt Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld:

„Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen der Bundesagentur zeigen ungeschminkt, wie stark der Arbeits- und Ausbildungsmarkt durch die Corona-Krise unter Druck gerät. Rückgänge bei den angebotenen Lehrstellen und auch bei den Lehrstellenbewerbern lassen für das kommende Ausbildungsjahr Schlimmes befürchten.

Allerdings können wir das Ruder gemeinsam noch herumreißen.

Es muss in der gegenwärtigen Krise alles dafür getan werden, unsere Ausbildungsbetriebe im OWL-Handwerk über Wasser zu halten. Diese dürfen als Ausbildungsorte nicht wegbrechen. Denn ein Rückgang bei der Ausbildungsleistung der Betriebe wird den Fachkräftebedarf enorm verschärfen. Ausbildung braucht gerade in dieser schwierigen Zeit Perspektiven. Um auch nach der Krise handlungsfähig zu bleiben, müssen wir heute vorsorgen.

Wir benötigen einerseits innovative Ansätze, wie die Schülerinnen und Schüler mit digital unterstützten Berufsorientierungsmaßnahmen erreicht werden können, da mit der Schule der wichtigste Kontaktpunkt aktuell ausscheidet. Hier sind Arbeitsagenturen, Innungen, Kreishandwerkerschaften und die Handwerkskammer gleichermaßen gefordert.

Andererseits brauchen wir Maßnahmen, die die duale Ausbildung stimulieren, damit trotz Corona möglichst viele junge Menschen eine für sie passende Lehrstelle finden und möglichst viele Betriebe Ausbildungsstellen weiterhin bereitstellen und auch besetzen können.

Das Ausbildungsengagement unserer Betriebe bedarf daher einer besonderen Anerkennung. Ein Ausbildungsbonus könnte dabei helfen und sie anreizen, unter schwierigen Rahmenbedingungen zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Sie sollten konkret einen einmaligen Zuschuss erhalten, der sich an 75 Prozent einer durchschnittlichen tariflichen oder Mindestausbildungsvergütung über einen Zeitraum von 3 Monaten orientiert. Dies wäre über die Unterstützungsleistung hinaus eine wichtige Investition für die zukünftige Sicherstellung von Fachkräften.

Wir begrüßen vor diesem Hintergrund ausdrücklich, dass Bund und Länder erste Öffnungsschritte eingeleitet haben. Damit haben auch viele in ihrer Existenz bedrohte Handwerksunternehmen in OWL wieder eine Perspektive erhalten. Wir stehen voll hinter den vereinbarten Verhaltensregeln und Hygienestandards. Wir sind sicher, dass unsere Betriebe diese Regeln konsequent umsetzen. Denn jeder Betrieb kann durch sein eigenes Handeln im Gesundheitsschutz dazu beitragen, dass auch den Betrieben, bei denen der Mindestabstand zwischen Kunden und Mitarbeitern wegen des Charakters der Dienstleistungen nicht eingehalten werden kann, mit Umsetzung entsprechender Hygienekonzepte eine verlässliche Perspektive für die Wiederöffnung geboten werden kann.“