08-04-2020

Mutig und entschlossen durch die Krise

Präsident Peter Eul besucht den Friseurbetrieb Stenner.

Friseurmeister Carsten Lödige (vorne) und Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer

 


Ein großes Lob spricht Carsten Lödige, Inhaber des Friseursalons Stenner in Steinheim und Obermeister der Friseur-Innung Höxter-Warburg, Bund und Land für das Corona-Soforthilfe-Programm und dessen Umsetzung aus. „Nachdem ich meinen Salon infolge der Corona-Pandemie schließen musste und mir damit von jetzt auf gleich die Einnahmen weggebrochen sind, habe ich am Samstag einen Antrag auf Soforthilfe gestellt. Schon am Sonntag habe ich die Bewilligung erhalten und am Donnerstag war das Geld auf dem Konto“, erklärt der Friseurmeister. Lödige hat bis Dezember rechnerisch viereinhalb Mitarbeiter beschäftigt und daher 9.000 Euro erhalten. Inzwischen sind es sogar fünfeinhalb Mitarbeiter. „Die Handwerkskammer steht seit Beginn der Krise in engem Austausch zur Bezirksregierung Detmold. Dadurch konnten wir unsere Beratung der Betriebe optimal auf das schlanke Antragsverfahren ausrichten und Probleme mit Unterstützung durch die Bezirksregierung zeitnah lösen“, betonte Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer OWL, beim Besuch des Steinheimer Friseurbetriebes.

 

Lödiges Mitarbeiter befinden sich derzeit in Kurzarbeit und haben die Aufgabe, sich zu Hause durch Lektüre und Lernprogramme auf den Internetseiten der Hersteller und spezielle Online-Kurse weiterzubilden. Der Friseurmeister steht telefonisch und per Whats-App mit ihnen in Kontakt. So will er das Qualifizierungsniveau seiner Mitarbeiter während der erzwungenen Betriebspause noch weiter verbessern. Auch die Ausbildung läuft weiter. Seine Auszubildenden sind im ersten und dritten Ausbildungsjahr. Sie erhalten per E-Mail Aufgaben und absolvieren ebenfalls Lernprogramme. Zu Hause arbeiten sie an sogenannten „Übungsköpfen“, die ihnen Lödige nach Hause geliefert hat. Auch im Betrieb gibt es ein reduziertes Lernprogramm – natürlich unter Einhaltung der Auflagen. „Wir kommen unserer Ausbildungspflicht damit auch während dieser Zeit so gut es geht nach“, so der Chef und Ausbildungsmeister.

 

„Viele Unternehmer empfinden derzeit starke Zukunftsängste“, berichtet Peter Eul aus vielen persönlichen Gesprächen mit Betriebsinhabern. Daher würden in der Kammer die Personalkapazitäten auf die Betriebsberatung fokussiert. „Es ist das Wichtigste, dass die Handwerksbetriebe, die ohne eigenes Verschulden in Schwierigkeiten geraten sind, jetzt die notwendige Unterstützung erfahren.“ Er rät den Betrieben, die Beratungshotline der Handwerkskammer möglichst frühzeitig in Anspruch zu nehmen.

 

Lödige stimmt ihm zu. Ohne die Hilfsprogramme und die unbürokratische Unterstützung sei die Überbrückung der kompletten Schließung kaum möglich. Der Friseurmeister hofft auf eine baldige Öffnung, für die er allerdings Auflagen erwartet. „Aber wir Friseurmeisterinnen und -meister sind Profis der Hygiene und werden das hinkriegen“, ist sich Lödige sicher. Auch Kammerpräsident Eul wünscht sich eine Wiedereröffnung aller betroffenen Handwerksbetriebe in naher Zukunft. Dazu gehört neben den Friseurbetrieben auch das Kosmetikergewerbe.

 

Die Zeit der Schließung nutzt Lödige, um strategische Pläne für sein Unternehmen aufzustellen. Da es in diesem Jahr das 112-jährige Bestehen feiert, möchte er angelehnt an den Notruf 112 eine „Feuerwehrkampagne“ mit unterschiedlichen Events aufziehen. Auch seine betriebswirtschaftlichen Daten hat der Obermeister gecheckt. „Es ist ausgesprochen wichtig, sein Unternehmen in guten Zeiten solide aufzustellen“, erklärt Lödige. Dazu gehöre auch eine verantwortliche Preiskalkulation, die die Kunden nicht überfordere, dem Betrieb aber das Überleben auch in schwierigen Zeiten sichere.