25-09-2019

Stabile konjunkturelle Lage im OWL-Handwerk

Fachkräfte und Auszubildende gesucht.
v.l. Peter Eul (Präsident der Handwerkskammer OWL) und Wolfgang Borgert (stellv. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL) präsentieren die aktuelle Handwerkskonjunktur.

Das Handwerk in Ostwestfalen-Lippe meldet weiterhin eine stabile konjunkturelle Lage. „Unsere Handwerksunternehmen melden eine stabile Geschäftslage trotz der weltwirtschaftlichen Verwerfungen und  Unsicherheiten“, erklärte Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer OWL, bei der Vorstellung der Herbstkonjunktur im Campus Handwerk in Bielefeld. Besonders zufrieden und zuversichtlich zeigen sich die Ausbauhandwerke. Aber auch die Gesundheitshandwerke bewerten ihre Situation positiv. Das Geschäftsklima im Gesundheitsbereich ist um zwölf Punkte auf 142 Punkte gestiegen, dem höchsten Wert aller Branchengruppen. Die Zukunftserwartungen der befragten Betriebe fallen verhaltener aus, als in den Vorjahren. 25 Prozent erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage, 66 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Situation. „Das hat deutliche Auswirkungen auf den Geschäftsklimaindikator“, erläuterte Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL. Der Geschäftsklimaindikator bündle die aktuelle Lagebewertung und die Erwartungen bis zum Frühjahr 2020. Der Indikator ist um acht Punkte auf 134 Punkte gesunken.      


Das Beschäftigungsklima bleibt mit 111 Punkten auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. „Fachkräfte werden weiterhin gesucht“, betonte Borgert. Eine Hochrechnung der aktuellen Umfrage habe 11.500 offene Stellen ausgewiesen, 8.400 Fachkräfte, 2.600 Hilfskräfte und über 500 Auszubildende fehlen.      

 

Die Konjunktur im Bauhauptgewerbe läuft aufgrund des anhaltenden Bau- und Immobilienbooms und der niedrigen Zinsen weiterhin auf Hochtouren und liegt nahe dem Rekordniveau, betonte Wolfgang Borgert. 66 Prozent der befragten melden eine gute und nur zwei Prozent eine schlechte Geschäftslage. Der GeschäftsklimaIndikator sank von 146 im Herbst 2018 auf 138 in diesem Jahr. Die Beschäftigungsdynamik jedoch ist weiterhin deutlich positiv: 26 Prozent der befragten Betriebe melden eine gestiegene Beschäftigung und nur zehn Prozent eine rückläufige. Die Auftragsweite und Kapazitätsauslastung liegen mit 12,7 Wochen (im Vorjahr 11,7 Wochen) deutlich vor den übrigen Handwerksbranchen. 39 Prozent der Betriebe konnten ihre steigenden Kosten am Markt durchsetzen. 38 Prozent rechnen auch weiterhin mit steigenden Preisen.     


Das Ausbaugewerbe, die größte Branchengruppe des Handwerks, hat das Bauhauptgewerbe beim Geschäftsklima-Indikator mit einen Punkt überholt und liegt bei 139 Punkten (Herbst 2018: 143 Punkte). Die Geschäftslage wird von den befragten Betrieben noch besser bewertet als im Vorjahr (69 Prozent im Herbst 2018): 71 Prozent melden derzeit eine gute Geschäftslage. 25 Prozent sind zufrieden. Nur sieben Prozent erwarten, dass sich die Geschäftslage in der nächsten Zeit verschlechtern wird. „Auch die Beschäftigungslage liegt noch über dem Vorjahresniveau“, betonte Wolfgang Borgert. 24 Prozent der Betriebe haben weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt. Positiv bleibt auch die Bewertung des Umsatzes: 39 Prozent melden eine Steigerung  des Umsatzes (Herbst 2018: 42 Prozent) und der Auftragsbestände (Herbst 2018: 50 Prozent). Die durchschnittliche Auftragsweite wächst auf 9,4 Wochen (Herbst 2018: 8,3 Wochen).  

 

Viele der handwerklichen Zulieferer und Dienstleister der Industrie spüren seit diesem Frühjahr die Auswirkungen der verunsicherten Weltwirtschaft, die konjunkturelle Schwäche in der deutschen Industrie und den Strukturwandel der Autoindustrie (Stichwort Elektromobilität). 54 Prozent der befragten Unternehmen melden jedoch weiterhin eine gute Geschäftslage, im Vorjahr waren es 62 Prozent. Allerdings steigt die Zahl der Negativmeldungen von acht Prozent im letzten Herbst auf 13 Prozent in diesem Jahr. In die Zukunft blicken die Betriebe eher verhalten: 21 Prozent erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage (Herbst 2018: 37 Prozent). Den Umsatz konnten 30 Prozent der Betriebe steigern (Herbst 2018: 47 Prozent). 29 Prozent erwarten, dass die Umsatzentwicklung in der nahen Zukunft steigt, 25 rechnen mit einer Abschwächung. Bei den Zukunftserwartungen der Auftragsentwicklung rechnen 24 Prozent mit einer Verbesserung und 23 mit einer Verschlechterung. Der zunehmend starke Wettbewerbsdruck wirkt sich auch auf die Verkaufspreise aus: Nur 17 Prozent der befragten Betriebe konnten die Preise erhöhen, 14 Prozent mussten sie sogar senken. 


Das Kraftfahrzeuggewerbe bewertet die aktuelle Geschäftslage etwas schwächer als im Vorjahr. 48 Prozent der Betriebe (52 Prozent im Herbst 2018) melden eine gute Geschäftslage, 44 Prozent (42 Prozent) sind zufrieden und sieben (sechs) Prozent sind unzufrieden. Der Geschäftsklima-Indikator ist im Kfz-Gewerbe um 15 Punkte auf 123 Punkte im Vergleich zum Herbst 2018 gesunken. Die konjunkturelle Schwäche wird auch deutlich an der Entwicklung von Umsätzen und Auftragsbeständen: 27 Prozent (38 Prozent im Herbst 2018) melden gestiegene Umsätze, 25 Prozent gestiegene Auftragseingänge (35 Prozent). Das Beschäftigungsklima bewegt sich mit 114 Punkten auf dem hohen Vorjahresniveau.    


Das Nahrungsmittelgewerbe beurteilt die Geschäftslage weiterhin positiv:  31 Prozent der befragten Betriebe melden eine gute, und 63 Prozent eine gleichbleibende Geschäftslage. Das Beschäftigungsklima ist dahingegen deutlich gesunken:  19 Prozent der befragten Betriebe haben neues Personal eingestellt, 31 beschäftigen weniger Mitarbeiter. Allerdings blicken die befragten Betriebe optimistisch in die Zukunft: 44 Prozent erwarten für die Zukunft eine bessere Geschäftslage (39 Prozent im Herbst 2018).    


Die handwerklichen Gesundheitsgewerbe schließen bei der diesjährigen Herbstbefragung mit dem höchsten Geschäftsklimaindikator von 142 Punkten ab. 63 Prozent berichten von einer verbesserten Geschäftslage, keines der befragten Unternehmen von einer Verschlechterung. Auch das Beschäftigungsklima erreicht mit 121 Punkten ein Rekordniveau (114 Punkte im Herbst 2018). 23 Prozent der Betriebe haben Personal eingestellt, bei keinem der befragten Unternehmen ist die Beschäftigtenzahl gesunken. Im nächsten Halbjahr möchten 20 Prozent der Betriebe weiteres Personal einstellen.      


Die Stimmung bei den Handwerken für den privaten Bedarf bewegt sich mit 134 Punkten fast auf Vorjahresniveau (137 Punkte). Die Bewertung der Geschäftslage fällt sogar besser aus als im Vorjahr: Bei 52 Prozent der befragten Betriebe hat sie sich verbessert (Herbst 2018: 46 Prozent), 35 Prozent erwarten sogar eine weitere Verbesserung. Auch das Beschäftigungsklima liegt mit 106 Punkte über dem Vorjahreswert (104). Bei der Entwicklung von Umsätzen und Auftragsbeständen überwiegen ebenfalls die Positivmeldungen mit jeweils 28 Prozent.    

    


PDFKonjunkturbericht Herbst 2019